Im Schatten des Labyrinths (RPG) (Seite 1)

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Fiola   

Ein neuer Tag war angebrochen in dem Lande Nymiath. Auch wenn das Wort 'Tag' eine äußerst unzutreffende Bezeichnung war, denn die Sonne war in diesem Lande schon lange nicht mehr aufgegangen. So unmöglich es auch schien, hatten diese schrecklichen Mauern es irgendwie geschafft, die Sonne von diesem Lande abzutrennen und alles in eine mehr oder weniger undurchdringliche Finsternis zu verwandeln. Ein schreckliches, grausames Schicksal, das scheinbar ohne jeden Grund über dieses Land gefallen ist...

Seufzend rückte Fiola die für ihr Gesicht viel zu große Brille zurecht und beschwor, wie jedes Mal wenn sie erwachte, eine kleine Lichtkugel hervor. Ein einfacher Zauber, der nicht viel Energie kostete, die Tätovierung an ihren Händern aber schon hell erleuchtete. Zum Glück waren die Handschuhe, die sie trug dick genug, um das intensive rote Licht der Beschwärung vollständig abzudämpfen.

Nachdem sie das Licht in eine kleine Laterne gesperrt und diese Laterne an einer Stange befestigte hatte, hatte Fiola mit der Katzenwäsche begonnen. Wasser war knapp geworden, seit die Mauern erschienen waren. Zwar war sie durchaus in der Lage, Wasser herbei zu rufen... Aber diese Rufung war ein anstrengender Zauber, der zu viel Kraft kostete, als das er zu sorglos angewandt werden durfte. Darum beschränkte sie sich darauf, sich mit einem feuchten Tuch über Hals und Gesicht zu Waschen. "Wie ich mich nach einem Bad sehnte...", murmelte die zierliche Frau und steckte das Tuch zurück in ihre recht große Reisetasche. "Und nach Gesellschaft. Diese ewigen Selbstgespräche machen mich irgendwann noch verrückt..." Die Unterlippe schmollend nach vorne geschoben, öffnete Fiola den rechten Zopf und flocht ihn neu. Dem linken Zopf waren noch nicht genug Strähnen entkommen, um sich um ihn zu kümmern. Zumal sie bisher kaum jemandem begegnet war. "Und meine Familie habe ich auch noch nicht gefunden..."

Wieder ein Seufzer, bevor Fiola sich erhob und das schlichte braune Kleid abklopfte. Wie es wohl ihrer Familie ging? Und den anderen Mitgliedern ihrer Gilde... Waren sie überhaupt noch am Leben?

"Nein, so darfst du nicht denken. Sie leben und suchen nach anderen wie du! Also auf ans Werk, du dummer Angsthase!", schalt sie sich selbst, schlug sich kurz beide Hände ins Gesicht und schulterte dann die Tasche, die fast so groß war, wie sie selbst. Dann ergriff sie die Laterne, legte sie sich über die Schulter und lief los. Immer an der Mauer entlang. Was mochte di enächste Abzweigung bringen? Eine neue Abzweigung? Einen Freund? Einen Feind? Vielleicht auch den Ausgang, oder eine Sackgasse? Fragen die hier in dem Labyrinth alltäglich waren.


Nicolei Rageija            

Dekadenz und Müßiggang, schon immer hatten diese Eigenschaften des hiesigen Adels den jungen Mann verrückt werden lassen, welcher nun alleine durch die dunkle Straße wandelte, welche von den schier endlos hohen Mauern in tiefes Schwarz getaucht war. Lange hatte Nicolei dies Verhalten der Adeligen ertragen, welche ohne ihren Stand, welcher nach der Katastrophe völlig am Bedeutung verloren hatte, wie eine Schildkröte Hilflos auf dem Rücken lagen. In einer großen Sackgasse zusammengerottet versuchten sie nun in der völlig zerrütteten Gesellschaft wieder an Macht zu gewinnen, indem sie große Reden reden ohne Inhalt schwangen, viel von sich gaben und doch nichts zu sagen wussten, vor allem nicht, wie alle den nächsten Tag überstehen sollten. Nein, mit diesen selbstgefälligen geistigen Insolventen war nichts anzufangen, wer überleben wollte musste sich auf sich selbst verlassen können.

Trotz allem war es auch für den jungen Adeligen eine Umstellung, alles ohne Hilfe Bediensteter oder Assistenten zu verrichten, allem voran die Nahrungsbeschaffung. Doch nach wenigen Tagen merkte Nicolei, dass das in Anarchie versunkene Königreich für den, der die Mühe nicht scheute, lange zu suchen, doch genug zum überleben bot. Auch die Kleidung machte ihm zu schaffen, denn auch, wenn er zu Beginn seiner eigenen Odyssee durch das dunkle Labyrinth reichlich davon eingepackt hatte, so hatte er nach wenigen Tagen die letzten Gewänder erreicht.

In typisch gepflegter Manier schritt er durch eine Enge Gasse, die sich zwischen einer Labyrinthmauer und einer Hauswand gebildet hatte. Zur Orientierungshilfe hielt eine Laterne mit ausreichend Tran her, welche wenige Meter vor Nicolei das sehen ermöglichte. Doch seit seinem Aufbruch war er nur wenigen Menschen begegnet, da die meisten sich in ihren Häusern - oder dem, was von ihnen übrig geblieben war, versteckt hielten.

Als der junge Mann nach einem weiteren Tag stundenlangen sinnlosen Umherwanderns erneut Platz auf einem Kasten nahm, hatte er - nicht zum ersten mal - das Gefühl, hier schon ein mal gewesen zu sein ... "Nicht schon wieder verirrt ..."


Sharika           

Sharika legte eine Hand auf ihren knurrenden Bauch. Sie wusste nicht mehr wie lange sie schon durch dieses düstere Labyrinth wanderte, aber ihr Magen wusste, dass sie schon seid fast zwei Tagen nichts mehr gegessen hatte. Sie war es zwar gewohnt über einen längeren Zeitraum nichts zu Essen zu erbeuten, aber zwei Tage ohne Essen machten selbst ihr zu schaffen. Sie trank einen Schluck Wasser aus ihrer Feldflasche, auch sie war fast leer. Die Flüsse und Bäche fingen an, in dieser Dunkelheit auszutrocknen und zu versiegen. Sharika seufzte.

Es war nun schon zwei Tage her, dass sie der Händlertruppe begegnet war. Sie musste ihre Tasche mit ihrem ganzen Besitz gegen ein wenig Essen eintauschen. Es war wahrlich nichts Wertvolles drin gewesen, aber es waren dennoch ihre einzigen Besitztümer gewesen die sie in den 21 Jahren besessen hatte. Bis auf ihre Kleider, die Feldflasche und ihr Schwert, besaß sie nun nichts mehr. Sie hatte also nichts mehr zum eintauschen. Die Händler waren zu stark bewaffnet und zu aufmerksam gewesen, als dass Sharika sie hätte berauben können.

Sie befestigte ihre Feldfalsche wieder an ihren Gürtel und machte sich wieder auf den Weg. Erst kürzlich war sie wieder an einer Abzweigung vorbei gekommen, die sie jedoch beharrlich ignoriert hatte. Seid dem sie unterwegs war, ist sie immer geradeaus marschiert. Was hatte es für einen Sinn willkürlich Abzweigungen zu nehmen und hinterher vielleicht im Kreis zu laufen?

Sie trat auf einen verdörrten Strauch der unter ihren Stiefeln knirschte. Sharika blieb stehen und nahm den Fuß von dem Strauch und sah ihn sich genauer an. Da ihre Augen an Dunkelheit gewöhnt waren, fiel es ihr leicht Einzelheiten zu erkennen. Es hingen mal Beeren an dem Strauch, jedoch war er schon so vertrocknet, dass die Beeren ohnehin ungenießbar gewesen wären. „Das Labyrinth bringt seinem Inneren nur Tod und Verderben!“ Sagte Sharika zu dem Strauch und ging weiter.


Fiola   

Das Licht, welches in der Laterne vor sich hinschwebte diente nicht nur als Beleuchtung, sondern auch als Wegeiser und als Warnung. Wann immer scheinbar lebende Erscheinungsformen sich ihr näherten, gab es einen sachten, klingelnden Ton von sich. Bei einer Abzweigung, die auf Magie hindetete knisterte es leise. Es war kein starker Zauber. Schon alleine deswegen nicht, weil jeder mächtige Zauber andere misstrauisch machen würde. Nicht viele besaßen Magie hier in diesem Lande und den meisten wurde inzwischen nachgesagt, dass sie mit dem Labyrinth in Verbindung standen. Etwas, das nun wirklich nicht wahr war. Also wirklich, etwas derartiges zu behaupten war unhöflich, blind und dumm... Aber so waren Menschen leider und Fiola sah in sich keine Ausnahme. Wieder passierte sie eine Kreuzung und das Licht ließ sie die linke Abzweigung nehmen. Das Land war verdörrt und im Sterben begriffen. Je weiter es verdarb, umso weniger Zeit hätten sie, etwas gegen das Labyrinth zu tun. Aber was sollte man gegen magie tun, die unbekannt war und die sich nicht mal ordentlich analysieren ließ.

Plötzlich klingelte das Licht sachte und Fiola blieb kurz stehen. Sie schloss die Augen, murmelte einige Worte und das Licht veränderte leicht die Farbe. Nun sah es aus, wie eine handelsübliche magische Laterne, die man mit Hilfe von gefangenen Irrlichtern herstellte. Erst dann lief sie weiter, bis sie in der Ferne ein weiteres Licht ausmachen konnte. Es war ein anderes Licht, als das ihrige. Wärmer, schwächer... eine Tranlampe vielleicht, oder auch nur eine Kerze.

Langsam näherte Fiola sich dem licht. Man wusste nie, was einen erwartete... ob Freund oder Feind... Aber sie sehnte sich nach Gesellschafft. Nichts hasste die junge Hexe mehr, als alleine zu sein. Mit sich selbst reden zu müssen. Und auch wenn jede Begleitung eine Gefahr für sie darstellte, war fiola momentan alles recht, als alleine durch die dunklen Gassen zu huschen.

"Ich grüße euch...", sprach sie so den jungen Mann an, der etwas verloren wirkend auf einer Kiste saß.


Nicolei Rageija            

Nicolei sprang sofort auf und die linke Hand, von einem weißen Handschuh bedeckt, schnellte hinter seinen Rücken, wo sie verblieb, als der junge Mann die Fremde musterte. Jede Anspannung verflog jedoch schon nach wenigen Augenblicken, denn jenes Wesen, das aus der Dunkelheit hervorgekommen war schien so bedrohlich wie ein Schmetterling im eisigsten Winter. Eine äußerst zerbrechlich wirkende Gestalt, so dass man fürchtete, mit einer leichten Berührung blaue Flecken an ihrer Haut zu hinterlassen. Eine graue Maus, so schien es ihm, die selten aus sich heraus kam. Umso mehr überraschte es ihn, je mehr er darüber nachdachte, überhaupt von ihr angesprochen zu werden. Fürchtete sie etwa die Dunkelheit?

Es vergingen einige quälende verschwiegene Sekunden, ehe sich jener junge Adelsmann dazu durchringen konnte, das zarte Wesen anzusprechen. Trotz allem klang seine Stimme fest und selbstsicher, zugleich auch sanft und beruhigend.

"Sei auch du mir gegrüßt, Mädchen. Verzeih meine Reaktion, aber es ist selten geworden in den letzten Tagen und Wochen, dass man andere Menschen zu Gesicht bekommt - und noch seltener kommt man mit ihnen ins Gespräch."

Niolei deutete eine leichte Verbeugung an, dann sah er ihr, so gut er dies im Zwielicht zwischen dem schwarz der Mauer und dem Licht ihrer Lampe vermochte, fest und durchdringend in die Augen, als suche er dort nach etwas.


Sharika           

Sie kam an eine Weggabelung. Der eine Weg führte nach Links, und der andere nach Rechts.

„Mist!“ Sagte Sharika und schaute sich unentschlossen um. Bis jetzt war es ihr immer gelungen geradeaus zu gehen, jetzt jedoch musste sie sich entscheiden. Sharika konnte nicht sehr weit in der Dunkelheit sehen, jedoch genug um zu erkennen, dass der Rechte Weg sich nicht von dem jetzigen unterschied. Auf dem Boden des Linken Weges jedoch glitzerte etwas. Neugierig geworden entschied sie sich für diesen Weg und hob das glitzernde Objekt auf. Es war ein zierlicher Ring ohne jede Zierart. Er schien nicht sehr wertvoll, aber Sharika lies ihn dennoch in ihren Stiefel gleiten die wohl notgedrungen als Ersatz einer Tasche dienen mussten.

Hier war also schon mal jemand vorbei gekommen, sagte sie sich und ging entschlossen weiter. Vielleicht traf sie ja auf diesem Weg Menschen denen man etwas zu Essen klauen konnte.

Stundenlang lief sie weiter durch diese monotone Einöde schien es ihr, bis sie plötzlich inne hielt. Etwas hatte sich verändert. Sie war sich ganz sicher, auch wenn sie noch nicht genau wusste was es war, so war sie sich sicher, dass sich die Umgebung verändert hatte.

Sie blickte sich in alle Richtungen um, doch alles sah so aus wie immer. Dann ging sie noch einen Schritt und blieb abrupt wieder stehen. Ihre Schritte klangen anders. Sonst war sie immer auf erdigem Boden gelaufen, jetzt jedoch lief sie über festem Stein! Sie war wohl in einer Stadt oder ähnlichem angekommen.

Die Städte waren bestimmt nicht vollkommen verlassen, mutmaßte Sharika und schlich nun vorsichtig weiter. Die Menschen verkrochen sich doch immer wenn sich etwas Neues, nicht Erklärbares auftat, schimpfte Sharika in Gedanken. Verkriechen sich wie Schnecken in ihren Häusern und verlassen sich darauf, dass jemand anderes ihre Probleme löst!

Sharika wollte gerade um eine weitere Ecke schleichen, als sie erschrocken zurück wich. Ein paar Meter weiter waren zwei Gestalten mit Lampen zu erkennen. In dem kurzen Augenblick hatte sie nur erkennen können, dass die eine sehr klein, und die andere größer war.

Sie hatten Sharika noch nicht bemerkt, dessen war sie sich sicher, aber sie hatte auch keine Möglichkeit unbemerkt an ihnen vorbei zu kommen. Die Gasse war eng und die Lampen füllten die Gesamte Breite aus.

Sollte sie einfach hingehen und mit ihnen reden? Sharika mochte zwar die Gesellschaft anderer Leute nicht, aber vielleicht hatten sie etwas zu Essen bei sich was sie würde stehlen können. Sie beschloss erst einmal abzuwarten und zu beobachten.


Fiola

Anscheinend hatte sie den Fremden erschreckt... Nein, wahrscheinlich war er einfach nur vorsichtig. Warum sonst, sollte er derart kampfbereit reagieren? Keine schlechte Sache, wenn man hier in diesem Labyrinth überleben wollte. Der Fremde war seltsam anzusehen mit seinen weißen Haaren und den Zeichen im Gesicht. Wahrscheinlich war, dass ihm etwas missglückt schien... Ein Zauber oder ähnliches. Fiola war sich ziemlich sicher, dass dieser junge Mann über Magie verfügte. Nicht nur, weil ihr Licht sehr leise knisterte... Sie war nicht umsonst eine Triona-Hexe. Sie war von klein auf in Magie, ihrer Anwendung und ihre Auswirkungen verschiedenen Formen unterrichtet worden.

Wie Fiola den Fremden so weiter musterte, vermutete sie, dass es sich wohl um einen Adeligen handelte. Zumindest sah die Kleidung wesentlich feiner aus, als die des gemeinen Volkes.

"Sei auch du mir gegrüßt, Mädchen. Verzeih meine Reaktion, aber es ist selten geworden in den letzten Tagen und Wochen, dass man andere Menschen zu Gesicht bekommt - und noch seltener kommt man mit ihnen ins Gespräch.", sprach der Fremde nun mit fester aber auch sanfter Stimme. Er hatte Selbstbewusstsein in der Stimme... jemand, der seinen Weg ging und Hindernisse zur Not aus dem Weg räumte, mutmaßte Fiola und lächelte sanft.

"Ja... leider haben die Mauern bewirkt, dass die Menschen sich zurückziehen, wie Mäuse in ihren Schlupfwinkel oder wegsterben... Es ist traurig geworden hierzulande..." Und dabei ist es mal so schön gewesen. Fast wehmütig blicken Fiolas Augen durch die Brille, bevor sie die leichte Verbeugung erwiderte. Anschließend wollte sie sich vorstellen, aber der Fremde fesselte mit einem Mal ihren Blick... versuchte tiefer in sie einzudringen und zu ergründen, was sie hier alleine so trieb. Schließlich waren die Augen die Fenster der Seele. Wo, wenn nicht dort konnte man die Wahrheit ergründen.

Fiola ließ es ruhig geschehen, den Mann aber nicht weit eindringen. Ihre Augen waren sanft, bar jeder Lüge oder Täuschung. Das Lächeln auf ihren Lippen war freundlich und drang auch bis in die Augen durch. Sie hatte nichts gefährliches zu verbergen. Triona-Hexen schadeten von sich aus keinen anderen Lebewesen. Dafür waren sie zu sehr an das Leben gebunden.

"Habt ihr gefunden, was ihr sucht, werter Herr?", fragte sie nach eine Weile freundlich.


Nicolei Rageija            

Eigentlich gedachte Nicolei, die Fremde zu beobachten, und war daher unangenehm überrascht, festzustellen, dass sie diejenige war, die IHN musterte. In der Entspannung hatte er seine Tarnung völlig vernachlässigt. In der Hoffnung, sie habe nicht zu viel gesehen - die Dunkelheit vermochte doch, so einiges zu verbergen - zog er sich mit einer langsam Bewegung die Kapuze seines Mantels über, um sein ohnehin im Dunkeln liegendes Gesicht in einem undurchdringlichen Schatten zu verstecken. Nur seine Augen - keiner vermochte, ihre Farbe zu erraten - blitzten hin und wieder hervor. Und sollte sie doch etwas gesehen haben, so würde Nicolei's Reaktion deutlich machen, dass sie all dies nicht weiter zu hinterfragen hatte. Diskretion.

Während dieser eher nebensächlichen Prozedur versuchte der Adelssohn weiterhin ruhig zu sein, was ihm - seinem Schauspielerischem Geschick sei es gedankt - auch gelang.

"Nein, denn ich suche eigentlich nur nach einer Sache, die es sich zu suchen Lohnt. Ich bin ein Müßiggänger in diesen finsteren Gassen auf der Suche nach Abwechslung."

Er trat ein wenig näher an sie heran und betrachtete sie erneut eindringlich. "Doch was macht ein so junges und zartes Wesen wie ihr es seid alleine hier in der Dunkelheit?"

Um seine Worte zu unterstreichen hob er einladend die Rechte Hand empor, obgleich sie bald verschwunden war, je mehr sie sich vom Licht entfernte. Der zweite Arm schien immernoch hinter dem Rücken zu verweilen, eine eigenartige Haltung ...

"Sagt", fuhr er fort. "Ist dies' Szenario nicht zu gefährlich für so ein junges Mädchen?", dabei bemühte er sich, interessiert zu klingen und keineswegs herabwertend ...


Sharika           

Sharika hatte sich an die Mauer gelehnt und die Ohren gespitzt. Sie verstand zwar nicht jedes Wort, dennoch vernahm sie genug um zu wissen, dass es sich um sinnloses Gerede handelte. Sie musste endlich etwas unternehmen.

Ihr Magen begann schon wieder verräterische Geräusche zu machen die zwar noch nicht laut waren, es aber noch werden konnten.

Sie nickte resignierend mit dem Kopf und huschte leise um die Ecke. Ein paar Schritte vor dem Lichtkegel der Lampe blieb sie noch einmal stehen.

Jetzt konnte sie auch erkennen, dass die größere Gestalt ein Mann, und die kleinere Gestalt eine Frau war. Sharika musterte die beiden kurz genauer.

Der Mann sah aus wie ein Adeliger, auch sprach er so. Er hatte seine Kapuze über den Kopf gezogen, so konnte sie seind Gesicht nicht erkennen. Sharika mochte solche reichen Leute nicht. Sie taten ständig so als wären sie furchtbar wichtig nur weil sie mehr Geld hatten als der gewöhnliche Pöbel. Sharika hatte besonders gerne solche Leute ausgeraubt, es erfüllte sie mit Genugtuung.

Die Frau war klein und wirkte fast zerbrechlich. Sie hatte eine enorm große Brille auf. Solche Gestalten hatte Sharika früher oft verprügelt, musste sie sich eingestehen. Sie war nicht besonders stolz drauf, aber das Gesetz der Straße hatte es von ihr verlangt.

"Ist dies' Szenario nicht zu gefährlich für so ein junges Mädchen?" Fragte der Mann gerade die Frau. Sharika zog die Stirn in Falten. Sie schätzte die Frau auf ungefähr 21 Jahre, also ihr Alter, aber vielleicht war sie auch älter oder jünger, Sharika war noch nie gut darin gewesen das Alter von jemandem zu schätzen. Aber das genaue Alter spielte auch keine Rolle.

"Gefährlich ist es nur für den, der nicht wachsam ist!" Mischte sich Sharika also ein und trat in den Lichtkegel, darauf achtend, nicht direkt die Lampe anblicken zu müssen. "Vieles kann in der Dunkelheit geschehen, da spielt es keine Rolle wie alt man ist."


Fiola   

"Nein, denn ich suche eigentlich nur nach einer Sache, die es sich zu suchen Lohnt. Ich bin ein Müßiggänger in diesen finsteren Gassen auf der Suche nach Abwechslung.“ Antwortete der Fremde auf Fiolas Frage, was bei ihr ein fast wehmütiges Lächeln hervorrief. „Früher war es hier an Abwechslung reich… Nun aber hüllen die Schatten alles in immer wieder kehrende Eintönigkeit… Einlullend und tödlich…“ Der Fremde näherte sich ihr. Fiola musste nun den Kopf etwas in den Nacken legen, um ihm weiter ins Gesicht blicken zu können. Als er sie fragte, was ein so zerbrechliches Wesen hier alleine in der Dunkelheit tue, antwortete sie ruhig. „Meine Familie suche ich. Wir wurden durch die Mauern getrennt, aber ich werde sie wieder finden.“ Kurz schob sie ihre Brille etwas zurecht. Das große, schwere Ding rutschte ihr immer fast von der Nase. Aber es war besser, als Blind herum zu laufen. Der Fremde streckte ihr einladend die rechte Hand entgegen. Wollte er, dass sie näher kam? Die Hand ergriff? Warum der Fremde wohl weiterhin den anderen Arm so hartnäckig versteckte?

"Sagt, Ist dies' Szenario nicht zu gefährlich für so ein junges Mädchen?“, hackte er weiter nach. Die Stimme hatte einen interessierten Tonfall, der Fiola gut tat. Schon alleine, weil es nicht herabwertend war. Aber, dass er sie ‚junges Mädchen’ nannte, störte sie etwas. Die junge Hexe konnte im schlechten Licht das Alter des Fremden zwar nicht einschätzen, aber es war gut möglich, dass sie älter war, als er.

Doch bevor sie ihm antworten konnte, meldete sich eine neue, weibliche Stimme.

„Gefährlich ist es nur für den, der nicht wachsam ist!" Vorsichtig trat eine weitere Fremde in den Lichtkreis der beiden Fackeln. Fiola konnte noch nicht viel erkennen, aber sie schien außer einem Schwert nichts bei sich zu haben. Das arme Ding. Sicher hatte die Fremde Hunger. "Vieles kann in der Dunkelheit geschehen, da spielt es keine Rolle wie alt man ist."

„Nicht nur in der Dunkelheit kann viel geschehen. Auch das Licht verscheucht die Schatten nie vollständig.“, meinte Fiola darauf lächelnd und verneigte sich leicht. „Und ich werde diese anhaltende Unhöflichkeit beenden und mich vorstellen. Gestatten, ich bin Fiola. Einfach nur Fiola und reise umher, um meine Familie zu finden.“ Zwar war Fiola recht naiv und ging nicht davon aus, dass diese beiden Fremden ihr eine Gefahr werden könnten… aber sie würde niemals verraten, zu welcher Gilde sie gehörte. Dies war ihr von klein auf eingetrichtert worden. Eine Triona-Hexe gab sich nur zu erkennen, wenn es nicht mehr anders ging. Und dann musste sie versuchen, die Gedächtnisse derer zu löschen, die sie gesehen hatten. Etwas, das Fiola hasste. Gedächtnisse löschen war einer der unangenehmsten Zauber, neben den Heilzaubern…

Abwartend und mit einem einladenden, warmen Lächeln sah sie die beiden Fremden an. Würden sie sich ihr vorstellen? Oder würden sie drei einfach weiter getrennt ihre Wege gehen und sich schnell wieder vergessen, weil man dem Gesicht keinen Namen zuschreiben konnte?


Nicolei Rageija            

"Gefährlich ist es nur für den, der nicht wachsam ist", wahrlich, Nicolei war wachsam. Obgleich er die Präsenz der Fremden, die zu ihnen gestoßen war, nicht bemerkt hatte, war er recht schnell wieder Kampfbereit. Er handelte in dieser Hinsicht mittlerweile kaum mehr bewusst, die kurze Zeit in den Schatten der Mauern hatte seinen Körper Wachsamkeit gelehrt. Trotz allem schien von der Fremden nur eine sehr geringe Gefahr auszugehen, so dass sich Nicolei ebenso schnell wieder zu lockern schien.

Unhöflichkeit? Wahrlich, sie hatte recht. Er selbst, ein Adelssohn, hatte die Gelegenheit verpasst, sich vorzustellen, so holte er dies nach. "Nicolei Rageija ist mein Name, ich reise durch die Schatten, damit sich mir okkulte Geheimnisse offenbaren können." Während er sprach verbeugte er sich gekonnt vor der Fremden und achtete dabei darauf, dass sein linker Arm ebenso von den Schatten verhüllt blieb, wie es der größte Teil seines Gesichts war; gleichzeitig versuchte er in der selben Bewegung so viele Details wie nur irgendwie möglich über das Aussehen und die Beschaffenheit der Fremden auszumachen, wobei die Dunkelheit um sie herum nur bedingt erschwerend darauf wirkte.

"Sicherlich", fuhr der junge Mann fort. "haben diese Mauern mir in dieser Hinsicht einiges zu bieten, sobald ich sie genauer erforscht habe ... Nun aber zu euch, werte Dame. Wer seid ihr und was führt euch hierher?"

Nicolei richtete sich wieder zu voller Größe auf und blickte die Frau am Rande des Lichtkegels durchdringlich an, während seine Lippen ein höfliches und doch leicht verspieltes Grinsen zierte.


Sharika           

Sharika musterte die beiden abschätzend. Die Frau, die sich als Fiola vorstellte, schien recht naiv zu sein. Sie machte einen netten Eindruck, aber Sharika hatte gelernt, sich nie auf den ersten Eindruck zu verlassen. Manche Leute konnten sich ziemlich gut verstellen, Fiola machte da vielleicht keine Ausnahme.

Sharika bedachte den anderen, Nicolei, mit einem scharfen Blick. Warum nahm er seine Kapuze nicht runter? Was hatte er zu verbergen? Auch schien es nicht, als würde er in ihr eine Gefahr erkennen. Ziemlich töricht. Schließlich ist nicht das Aussehen ausschlaggebend für die Fertigkeiten einer Person.

Stirnrunzelnd beobachtete sie, wie sich Nicolei vor ihnen verbeugte. Solche Höflichkeiten waren in dieser Situation, und vor allem in dieser Umgebung völlig unangemessen, fand Sharika. Sowieso waren nicht ernst gemeinte Worte und Gesten überflüssig.

„Ich bin Sharika.“ Stellte sie sich dennoch vor. Sie wollte schließlich was von ihnen, da konnte sie sich wenigstens vorstellen.

„Dieses Labyrinth hat einem Lebewesen nichts anderes zu bieten als der Entbehrung und den Tod! Warum sollte man es erforschen, wenn man hier eh kaum jemanden trifft den man seine Entdeckungen berichten kann?“ Fragte Sharika. Ihr war es egal was es mit diesem Labyrinth auf sich hatte, die Hauptsache war, dass sie endlich etwas zu Essen bekäme. Ihr Magen fing wieder an verräterische Geräusche zu machen, jedoch waren sie noch nicht so laut, dass die beiden anderen es hätten hören können.

Sharikas Stolz verbot es ihr um Essen zu betteln, außerdem wollte sie erst mehr über die Fremden erfahren.

„Ich habe lange niemanden mehr in den Gemäuern getroffen, habt ihr vielleicht etwas gehört? Irgendetwas, was von Bedeutung sein könnte?“ Fragte sie und blickte beide abwechselnd an. Es gab zwar nicht wirklich etwas was sie interessierte, aber manche Leute würden vielleicht etwas für Informationen bezahlen.


Fiola   

Fiola sah von Nicolei zu Sharika. Zwischen den beiden schien eine angespannte Stimmung zu herrschen. Anders als Fiola traute Sharika Nikolei wohl nicht über den Weg. Fiola konnte diese Einstellung verstehen, teilte sie aber nicht. Sie war sich sicher, dass die wenigen Menschen hier, anderen Menschen nichts mehr tun würden.

Nikolei erforschte also die Dunkelheit... In gewisser Weise hatten sie so etwas gemeinsam, denn Fiola untersuchte sie ja auch ab und zu. Aber für die junge Frau war es erst einmal wichtiger, ihre Familie zu finden. ZUsammen mit anderen Triona-Hexen wäre eine Analyse sicherlich leichter...

"So gesehen ist das Labyrinth aber auch ein wenig wie das Leben selbst. Oft hält es für einen auch nur Entbehrungen bereit. Und der Tod wartet auf jeden.", antwortete Fiola auf Sharikas bittere Worte und lächelte traurig. Natürlich war dieses Labyrinth schlecht... Aber wenn man selbst das ganze Leben lang verteufelt wurde, weil niemand wirklich etwas über einen wusste... dann war es schwer, so über andere zu denken. Tat man das, war man nicht besser als jene, die einen wegen der Herkunft hassten. Darum war Fiola dem Labyrinth gegenüber noch recht neutral.

"Aber viel gehört habe ich hier nicht... Man begenet kaum noch Menschen. Sie verstecken sich zumeist und scheinen auf den Tod zu warten. Die armen, dummen Dinger..." Fiola schüttelte leicht bedauernd den Kopf und fuhr dann fort. "Aber westlich von hier soll es lebende Schatten geben, die mit deinem Schatten verschmelzen und so Besitz von deinem Körper ergreifen. Eine echt unangenehme Sache..." Nun schüttelte sich die zierlich Frau leicht, ehe ein deutliches Knurren die Stille des Labyrinthes störte. Mit einem Mal wurde Fiola rot und strich sich verlegen eine Haarsträhne aus dem gesicht. "Ach verzeiht, mein Magen... Ich sollte etwas essen, sonst frisst er mich noch." Sie lachte leise, ehe sie Sharika und Nicolei ansah. "Was haltet ihr von einer Art Picknick. Jeder teilt mit jedem. Zusammen essen macht viel mehr Spaß, als es alleine zu tun." Den Worten folgte ein sanftes, bittendes Lächeln.


Nicolei Rageija            

Nicolei's Augen funkelten im diffusen Licht der beiden kleinen Laternen, als Sharika vom Tod sprach, der einen in diesem Mauern erwarten würde. Umso interessierter schien er, als Fiola den Schatten erwähnte, der andere Menschen kontrollierte. Davon waren ihm nur Bruchstückhafte Informationen bekannt, nicht genug, um sein Interesse zu wecken, doch nun hatte das Mädchen die Flamme des Wissensdurstes in ihm entfacht. "Schatten?", fragte er eher sich selbst als die Runde. "Hm ..."

Einige Augenblicke horchte er in sich hinein und dachte darüber nach , in Richtung Westen zu ziehen, um sich dieser Sache anzunehmen. Es wäre nicht das erste Übel, das er, seit erscheinen der Mauern, bekämpft hätte - mittlerweile hatte er Übung in solchen Dingen, auch, wenn er relativ oft beinahe draufgegangen wäre - und gedankt hat es ihm auch niemand.

"Im Westen", grübelte er noch, doch Fiola riss ihn mit ihrem Vorschlag, ein Picknick zu veranstalten wieder aus seinen Gedanken. In wenigen Augenblicken hatte der junge Adelige sich wieder gesammelt, das glimmen seiner Augen war erloschen als er antwortete. "Nun, ich kann leider nur mit Wasser und Brot dienen. Ich bevorzuge leichte Kost, wenn ich unterwegs bin. Tut mir leid". Damit lenkte er schnell alle Aufmerksamkeit wieder von sich, um unbemerkt wieder seinen Gedanken nachzugehen. Hin und wieder huschte sein Blick über die beiden Damen, doch er sagte nichts weiter ...

 

Fiola   

Das Gesicht der zierlichen Frau wurde sofort bedauernd, als Nikolei eine eher ablehnende Haltung einnahm. "Aber das reicht doch. Ich habe auch nicht viel mehr. Nur noch etwas Trockenfleisch und ein paar Früchte, von denen ich vor kurzem entdeckt habe, dass sie essbar sind." Wie nützlich Analysezauebr doch sein konnten. "Hier wächst nämlich doch etwas. Bestimmte Pflanzen scheinen sich nämlich von dem zu ernähren, was die Mauern ausstrahlen. Aber man muss höllisch aufpassen. Nicht alle davon sind essbar... viele sind giftig oder bewirken gar schlimmeres, als den Tod." Geschäftigt kramte Fiola in ihrer Tasche herum, ehe sie eine schwarze, birnenähnliche Frucht hervr holte und sie Nicolei reichte. "Sie schmecken nicht sonderlich gut... eher ein wenig staubig, aber man kann sie essen und das ist in diesen Gefilden wirklich gut..." Ein, warmes, leicht schüchternes Lächeln folgte den Worten, ehe sie kurz in die Dunkelheit blickte "und nach Westen wollte ich auch. Auch wenn es dort gefährlich ist..." Sie hatte vor einigen Tagen ein schwaches Signal aufgefangen, was typisch für Triona-Hexen war und wollte dem nachgehen "Vielleicht können wir zusammen reisen. Das ist wirklich sicherer."


Nicolei Rageija            

"Nun gut", willigte Nicolei ein. "Dann werde ich geben was ich habe und nehmen, was mir geboten wird." Mit einem leichten lächeln auf den Lippen griff er nach der birnenförmigen Frucht, doch ehe er sie an sich nahm blickte er Fiola an. "Ihr scheint in solchen Dingen sehr bewandert zu sein. Selbst mir als Alchemisten fällt es schwer, in dem Dunkel hier Pflanzen unterschiedlichster Art auseinander zu halten ..." Leichte Skepsis schwang in seiner Stimme mit, doch dann krallte er sich das Obst mit einem breiten Grinsen. "Ihr müsst gute Augen und eine Menge an brauchbaren Gaben haben", erklärte er sich das Phänomen selbst.

Er nahm auf dem rauen Boden platz und nahm dabei den Beutel von seiner Schulter. Nur mit der Rechen Hand kramte er umständlich darin herum bis er an einen großen Wasserbeutel und sein Brot kam. "Hier, nehmt so viel ihr wollt... ihr beiden." Er blickte Sharika an, welche nur sehr zögerlich und mit Vorbehalt an die Fressalien heran ging.

"Also", begann er, nachdem er die Frucht zur hälfte verzehrt hatte. "Mit meinem Beisein könnt ihr rechnen. Mich hält ohnehin nichts mehr davon ab mir die westlichen Gefielde näher anzusehen und ich könnte von euren Fähigkeiten sicherlich profitieren ... so wie ihr-", er nahm sich noch ein mal einen Bissen und schluckte ihn herunter. "So wie ihr auf meinen Schutz zählen könnt, werte Dame"


Fiola   

Man konnte der zierlichen Frau ansehen, dass sie erleichtert darüber war, dass Nicolei sich schließlich doch dafür entschieden hatte, ihr Angebot anzunehmen. Sofort kramte sie nach ihrer Feldflasche mit dem Wasser, sowie den wenigen Nahrungsmitteln, die sie mit sich herum führte. Die größte Menge nahmen die birnenförmigen Früchte ein. Seit sie entdeckt hatte, dass die Früchte essbar waren, hatte sie weniger Nahrung herbeizaubern müssen...

"Naja, sehen kann ich leider nicht so gut." Sie rückte die ricke Brille etwas zurecht, "aber ich habe ein gutes Gespür für solche Sachen, werter Nicolei." Da sein Brot etwas anders aussah, als das ihrige, nahm sie ein kleines Stück davon und knabberte daran herum. Ein anderer Geschmack... eine Wohltat in der Eintönigkeit des Labyrinthes.

"Aber bitte sagt nicht 'werte Dame' zu mir. Ich bin einfach nur Fiola. Eine Umherreisende, ohne großartige Titel. Außerdem bin ich es gewohnt, nur mit dem Namen angesprochen zu werden." Unter Triona-Hexen war es üblich. Dort hielt man nichts von der zumeist aufgesetzten Höflichkeit. ZUmal man sich dort als große Familie ansah.

Fiola nahm einen Schluck Wasser und lächelte Nicolei dann an. "Dann wollen wir also zusammen weiter reisen... das freut mich. Ihr werdet euch auf mich verlassen können." Auch wenn er anscheinend immer noch seinen einen Arm versteckte. Aber das machte Fiola nichts aus. Sie versteckte ja schließlich ihre Hände vor allen. Jeder hatte seine Geheimnisse, so war das nun mal in der Welt.


Nicolei Rageija            

"Verzeih, Fiola", antwortete Nicolei auf ihre Worte mit einem Lächeln. "Ich bin es nicht gewohnt, andere Menschen so ... persönlich ansprechen zu dürfen. Es ist eine interessante Erfahrung."

Dass er dem unscheinbaren Mädchen ein wenig misstraute zeigte er keineswegs, denn ihre Worte waren die Falschen gewesen. Dass sie ihr Glück mit Pflanzen und Nahrung auf ihr "Gespür" zurückführte statt auf ihre funktionierenden fünf Sinne machte alles ein wenig verdächtiger. Er vernahm eine Stimme, die in seinem Geiste bösartig kicherte und ihm Paranoia vorwarf ...

Ehe er wieder zu tief in seine Gedanken abtauchte wandte er sich fröhlich grinsend den beiden weiblichen Mitgliedern der kleinen Runde zu, wobei Sharika in ein unheimliches Schweigen verfallen war.

"Nun", sagte er schließlich. "Es ist schön, sich auf jemanden verlassen zu können, vor allem in Zeiten wie diesen, und wir können von Glück reden, einander begegnet zu sein, findet ihr nicht auch?"

Eine weitere Frucht verschwand unter seiner Kapuze und nur leichte Geräusche zeugten davon, dass sie verzehrt wurde.


Fiola   

Glück und Magie... hätte Fiola ihr kleines Licht nicht gehabt, wäre sie Nicolei wahrscheinlich nicht über den Weg gelaufen. Und wenn sie jetzt mit ihm reisen würde, müsste sie aufpassen, wann, wie, wo und warum sie Magie benutzte. Und sich, falls sie die Magie benutzte, eine ordentliche Erklärung dafür ausdenken. Die kleine Frau wollte sich ihren neuen Reisegefährten nicht zum Feind machen und das würde er wahrscheinlich werden, wenn er erfuhr, was sie war.

"Ja... Und wenn die Götter diese Landen noch nicht verlassen haben, haben sie wahrscheinlich wohlwollend auf uns herab geblickt." Sie lächelte Nicolei kurz zu, ehe sie sich Sharika zuwandte. "Ist bei euch alles in Ordnung? Ihr seid so still und esst nicht. Ich bin sicher, ihr habt auch hunger." Fiola hatte sich inzwischen auch eine der Früchte gegriffen und knabberte nun an ihr.


Sharika           

Unschlüssig wanderten Sharikas Blicke von Fiola zu Nicolei. Ihr gefiel es nicht in welche Richtung sich das Gespräch gelenkt hatte. Sie hatte lediglich vorgehabt etwas zu essen und dann wieder alleine in die Schatten zu verschwinden. Der Gedanke, den ganzen Tag Gesellschaft um sich zu haben machte sie nervös.

Auch war ihr nicht wohl bei dem Gedanken etwas von dem Essen zu nehmen. Sie hatte noch nie etwas ohne irgendeine Gegenleistung bekommen und diese unbekannte Freundlichkeit lies sie misstrauisch werden. Hatten diese Personen wohl etwas vor?

Sie verscheuchte den Gedanken und griff nach einem Stück Brot. „Danke.“ Murrte sie leise und biss herzhaft hinein. Auch wenn sie etwas planen sollten, Sharika war durchaus in der Lage sich zu verteidigen. Bedächtig kaute sie das trockene Brot, was ihr wie ein Festmahl vorkam. Sie wusste, wenn sie es runter schlingen würde, dann würde ihr Magen dies nicht mit Dankbarkeit quittieren.

Grübelnd hockte sie sich an den Rand des Lichtkegels. In einer Gruppe zu reisen hätte durchaus seine Vorteile. Schließlich kannte Fiola sich mit den essbaren Pflanzen aus, von denen sie selber keine Ahnung hatte. Und Nicolei könnte in einer Gruppe vielleicht auch von Nutzen sein. Wenn sie es nicht mehr unter ihnen aushalten würde könnte sie einfach verschwinden. In dieser Dunkelheit wäre es ein leichtes unbemerkt seiner Wege zu gehen. „Ich komm auch mit.“ Beschloss sie kurzerhand und trank einen Schluck Wasser.


Nicolei Rageija            

Nachdem sich Nicolei satt gegessen hatte lehnte er sich entspannt gegen die schwarze Mauer, die zu dem Labyrinth gehörte, das allen Menschen so viel Kummer bereitet hatte. Er schielte kurz herüber zu Sharika, dann betrachtete er wieder Fiola. Sie schien so zerbrechlich in seinen Augen, doch kam der Skeptiker nicht drum herum, sich selbst zu fragen, wie es kam, dass dieses doch ach so zarte Wesen so lange Zeit alleine überleben konnte. Bei Sharika - keine Frage - wusste man, woran man war, denn sie war eine Kämpferin - kämpfte um ihr überleben - und zeigte das auch nach außen hin.

Zweifellos, Fiola verbarg einiges unter ihrem unscheinbaren Äußeren, und er würde schon dahinter kommen, doch nicht jetzt ... jetzt ...

"Ich komm auch mit", ließ Sharika vernehmen und verscheuchte die Schatten aus seinen Gedanken. Auf Nicoleis Lippen breitete sich ein eigenwilliges Grinsen aus, für die anderen kaum sichtbar, aber man konnte es ahnen. "Das freut uns sehr. Je mehr wir sind, umso weniger kann uns passieren."


Fiola   

Endlich aß auch Sharika etwas und Fiola konnte fast ihre ganze Aufmerksamkeit auf ihr eigenes Mahl wenden. Nachdem sie die Frucht und noch eine weitere verspeist hatte, war auch sie gesättigt und trank noch einen Schluck Wasser. Sie bot Sharika ihre Feldflasche an und lächelte erfreut auf die Worte der jungen Frau, dass sie mitkommen würde. "Ja... eine größere Gruppe bietet mehr Schutz. Man kann entspannter reisen und sich auch entspannter Ausruhen."

Schließlich würde immer einer Wache halten können, während die anderen sich ausruhen würden. Und wenn es im Westen wirklich unruhiger war... Nun Fiola war dankbar um jeden Bannkreis, den sie weniger zeichnen musste. Sie schlief immer schlecht, wenn sie es in einem selbtsgezeichneten Bannkreis tat, weil ein Teil des Bewusstseins immer wach bleiben musste, um den Zauber aufrecht zu halten.


Sharika           

Mit einem dankbaren Nicken nahm Sharika die Feldflasche von Fiola entgegen.

„Ich denke nicht, dass man eine Reise in diesen Gemäuern als entspannend betrachten kann, ganz gleich wie viele wir auch sein mögen.“ Entgegnete Sharika. „Aber in gewisser Hinsicht hab ihr beiden schon Recht, es kann uns weniger passieren.“ Sie musterte Fiola. „Wobei du nicht wirklich gefährlich aussiehst. Du hattest bestimmt schon mal im Laufe deiner Reise das Vergnügen auf Räuber zu stoßen nicht wahr?“ Sie lachte leise in sich hinein. Sie wollte die beiden ja auch zuerst ausrauben.

Sharika hätte dieses zusammentreffen vielleicht als Schicksal bezeichnet, würde sie an so einen Unsinn glauben. So seufzte sie nur einmal kurz und biss in ein Stück Brot.

„Ich würde sagen wir rasten hier.“ Schlug sie vor. Da es den ganzen Tag einheitlich dunkel war, hatte sie schon vor langer Zeit jegliches Gefühl für Tag und Nacht verloren. Sie schlief wenn sie müde war, und sie ging weiter wenn sie wieder aufwachte.

Wie viel Tage wohl schon vergangen sein mochten, seid dem die endlosen Mauern sie verschlungen hatten?


Nicolei Rageija            

Wenn sie während ihrer Reise tatsächlich auf feindlich gesonnene Räuber gestoßen wäre, wie Sharika vermutete, wie konnte dieses zierliche Mädchen sich dann aus dieser Misere retten?

Nicolei blickte Fiola aus seiner Kapuze heraus durchdringend an, lächelte jedoch rasch wieder. "Gute Idee", befürwortete er Sharikas Vorschlag. "Ich war hier schon öfter, all zu gefährlich scheint es hier nicht zu sein. Trotzdem sollten wir nicht unachtsam sein. Einer sollte immer Wache halten." Er wusste, dass er damit höchstwahrscheinlich die Gedanken der anderen einfach nur laut aussprach, denn das war das Naheliegendste, das man in so einer Situation zu tun gedachte. "Ich fühle mich noch relativ fit und wach, ich übernehme die erste Schicht. Wer selber nichts zum rasten mit sich führt", erläuterte er weiterführend, wobei er Sharika kurz anblickte. "Der kann auch gerne Decke und Kissen von mir nehmen. Die Decke ist dünn, das Kissen sehr klein, aber wie gesagt, ich reise lieber mit leichtem Gepäck und mir reicht das. Bedient euch, befindet sich in meiner Tasche."


Fiola

Sharikas Anspielung, dass Fiola wohl schon oft Bekanntschaft mit üblen Gestalten gemacht haben dürfte, beantwortete die Frau nur mit einem Lächeln. Sharika hatte da beiweitem nicht unrecht. Vier Mal war Fiola jetzt schon angegriffen worden und vier Mal hatte sie sich erfolgreich gewehrt. Schon alleine, weil sie den wirklich praktischen Vorteil des 'unscheinbar wirkens' hatte. Wer vermutete hinter ihren zierlichen Gestalt schon eine Gefahr?

Auch Sharika und Nicolei schienen eher der Ansicht zu sein, dass Fiola schon beim leisesten Lufthauch zerbrechen würde.

Dass die Beiden nun rasten wollten, gefiehl Fiola nur bedingt, war sie noch nicht lange auf den Beinen. Aber besser man rastete an einem halbwes sicheren Ort, als an einem nicht so sicheren Ort.

"Ich könnte die erste Schicht auch übernehmen. Ich bin noch nicht lange auf den Beinen und also auch noch recht frisch.", meinte Fiola schließlich zu Nicoleis Worten und lächelte ihn an. "Wenn ihr nicht schlafen wollt, dann werde ich euch Gesellschaft leisten, außer ihr seid strickt dagegen."

Nicolei Rageija            

Es war eine für ihn so typische und gleichzeitig so überaus unpraktische Angewohnheit, doch er konnte sie nicht ablegen. Jede Sekunde des Schweigens und der Ruhe, die ihm geschenkt wurde, verbrachte Nicolei damit, über alles mögliche nachzudenken, so kam es, dass er auch dieses mal wieder völlig weggedämmert war, als man ihm eine Frage stellte - in Gedanken über seine beiden Begleiter, die Labyrinthmauern, den seelenverzehrenden Schatten, der in ihnen zu lauern scheint, und was all das mit seinem ...

Seine Augen blinzelten überrascht, scheinbar brauchte sein Bewusstsein eine Sekunde, um in die hiesige Realität zurückzukehren und das unterbewusst wahrgenommene Gehörte zu verarbeiten. "Ähem", begann er somit. "Nein, mitnichten, gerne. Sharika scheint mir - wenn ich das so anmerken darf, es ist nicht negativ gemeint - von uns am angeschlagensten zu sein. Und in dieser trostlosen Dunkelheit alleine zu verweilen, davon habe ich wahrlich erst ein mal genug. Also, leistet mir ruhig Gesellschaft." Ein ehrliches Lächeln zierte nun seine blassen Lippen, und erneut stellte sich ihm die Frage, ob man es überhaupt sah oder erahnte. Er musste den beiden reisenden sehr suspekt erscheinen, doch ihm blieb selten eine andere Wahl, als seine Gestalt vor Fremden zu verbergen so gut es ging ...


Sharika 

Missmutig starrte Sharike Nicolei an. Sah man ihr ihren Zustand so leicht an? Sie war wirklich sehr erschöpft von den Strapazen, die ihr auf der Reise begegneten.

„Hmm.“ Brummte Sharika. „Na gut, ich leg mich dann schlafen. Weckt mich wenn ich euch ablösen soll.“ Ihr gefiel es zwar nicht sich hier, bei den beiden fast völlig Fremden, nieder zu lassen, aber sie hieß die Möglichkeit auf eine ruhige Nacht willkommen. Sonst musste sie immer dafür sorgen, dass sie nicht völlig einschlief. Sie hatte Angst, dass man sie im Schlaf hinterrücks überfallen könnte oder gar töten.

Auch hier hatte sie dies zu befürchten, jedoch hatte sie nicht den Eindruck als wenn die beiden es arg nötig hätten. Also beschloss sie sich der Müdigkeit vollkommen hinzugeben. Sie nickte den beiden noch mal zu und stand auf, um sich wenige Meter neben der Mauer niederzulegen. Die Hand schloss sich in einer unbewussten Geste um den Knauf des Schwertes und sie bettete ihren Kopf auf ihren Arm. So schloss sie die Augen und schlief auf der Stelle ein.


Fiola 

Die zierliche Frau lächelte erfreut, als Nicolei ihr Angebot annahm und blickte noch kurz dragend zu Sharika, die mit der Situation notgedrungen ebenfalls einverstanden zu sein schien. Die junge Frau legte sich bald schlafen und war in dem Moment eingeschlafen, als ihre Lider sich geschlossen hatten.

"Es tut gut, mal wieder mit Menschen reden zu können...", meinte Fiola leise und sah wieder lächelnd zu Nicolei. "Wenn man zu lange alleine ist, neigt man zu verrückten Angewohnheiten. Zumindest ist das bei mir so..." Auch wenn es für Fiola den ein oder anderen Nachteil haben dürfte, dass sie jetzt nicht mehr alleine reiste. Sie musste besser aufpassen, damit niemand verdacht schöpfte, was sie war. Fiola hatte keine Angst vor einem Kampf... aber sie kämpfte auch nur, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Und im Moment ließ es sich ja vermeiden.

"Sagt, Nicolei... da wo ihr herkommt... Sieht das Labyrinth dort ebenso trostlos aus, wie hier? Oder gibt es dort auch Menschen?"


Nicolei Rageija            

Der junge Gelehrte hatte es sich in der Dunkelheit so gemütlich wie nur irgend möglich gemacht und etwas näher an seine Gesprächspartnerin herangesetzt, wahrte allerdings einen immer noch relativ großen, höflichen Abstand.

Er schien ein wenig über die Wahl seiner Worte nachzudenken, ehe er antwortete. "Nun, man könnte sagen, das beides der Fall ist. Trostlos, für wahr. Doch Menschen gibt es dort zuhauf. Statt sich gegenseitig zu helfen und nach einer temporären Lösung für das Problem zu suchen haben sich der machthungrige Adel sofort daran gemacht, seine Stellung zu wahren ..." Ein verzweifelter Seufzer entglitt dem geheimnisvollen Alchemisten, ehe er fortfuhr. "Ohne jede Legitimation begannen diese wohlgenährten Aasgeier das überlebende Fußvolk mit leeren Reden in ihren Bann zu ziehen, an Versprechen zu binden und dann zu unterdrücken. Nein", schloss er kopfschüttelnd ab. "Dem konnte ich mich unmöglich anschließen. Ich habe diese armen Schafe und ihre egomanischen Hirte ihrem Schicksal überlassen."


Fiola   

Fiola hatte die Knie angezogen und das Kinn draufgestützt, als Nicolei zu erzählen begonnen hatte. Aufmerksam hatte sie seinen Worten gelauscht. Kurz hatten ihre Augen erfreut aufgeleuchtet, als Nicolei erwähnte, dass dort wo er herkam viele Menschen waren, danach war ihre Miene aber immer trauriger geworden. Sie bräuchte also gar nicht in diese Richtung laufen. Mit großer Wahrscheinlichkeit würde es dort keine Triona-Hexen geben. Sie unterdrückten nicht und flohen vor Unterdrückung...

Nachdem Nicolei geendet hatte, seufzte die zierliche Frau auf und rückte ihre schwere Brille etwas zurecht. "Wir streiten es ab, aber eigentlich sind wir Menschen meist schlimmer, als Tiere... Wer weiß, vielleicht haben die Götter uns ja mit diesem Labyrinth strafen wollen...", antwortete sie. Fiola hob den Kopf und sah in di eDunkelheit hinein. Es war vollkommen ruhig um sie herum. Kein Tier war zu hören, nicht mal das Rascheln von Pflanzen im Winde. Es gab noch nicht mal Wind im Moment.

"Wo ich herkomme gibt es keine Menschen mehr... Sie sind entweder gestorben, haben den Ort verlassen oder sind zu etwas geworden, dass man nicht mehr als 'Menschen' bezeichnen kann... Ich konnte nicht länger dort bleiben... Auch weil ich nach meiner Familie suche...wir wurden getrennt, am Tage, als das Labyrinth erschien. Nun suche ich... nach Menschen, nach meiner Familie, nach einer Möglichkeit, diesen Fluch vielleicht aufzuheben..."

Fiola hatte mit leiser Stimme erzählt, erschrack nun und errötete etwas. "Oh verzeiht... wahrscheinlich habt ihr die Geschichte nicht hören wollen und ich erzähle und erzähle einfach weiter... es tut einfach nur so gut, wieder mit jemandem Reden zu können... bitte verzeiht, Nicolei."


Nicolei Rageija 

Nicolei lächelte Fiola erneut an, doch dieses mal nicht aus dem verborgenem heraus. Während sie vor sich hin geredet hatte, hatte er sich noch etwas näher herangewagt und dabei seinen Körper und sein Gesicht so geneigt, dass das schwache Licht des Feuers die Schatten hinter seiner Kapuze lichteten und man zumindest die linke Hälfte seines Gesichts und damit auch das verschmitzte Lächeln sehen konnte.

Nicolei war durchaus als hübsch zu bezeichnen, zumindest wiesen seine feinen Gesichtszüge keinerlei Makel auf und sein hervorstechendes, violettes Auge zog einen Menschen schnell in seinen Bann. Die sichtbaren Haarsträhnen, welche lang genug waren, um das Auge ein wenig zu verdecken, schienen sehr Hell zu sein, doch vermochte man aufgrund des diffusen Lichtes nicht zu sagen, welche Farbe sie hatten. Alles in allem wirkte er ruhig und freundlich, wie seine Stimme schon vermuten ließ, und hatte eine relativ charismatische Ausstrahlung.

"Ach was", sagte er, nach einer relativ langen Pause. "Ich höre euch gern zu. Zumal mich die Umstände in der Welt um uns herum sehr interessieren - so ungemütlich sie zurzeit auch sein mögen. Aber eigentlich ... höre ich euch einfach gern zu."

Ein freundliches kichern entrann seiner Kehle, ehe er sich wieder ein wenig abwandte und sein Gesicht wieder in den Schatten seiner Kapuze tauchte.

"Ihr sucht nach einer Möglichkeit, den Fluch aufzugeben? Nun, das klingt interessant..." In Nicoleis Kopf schien seltsames vorzugehen, es war, als könne man die Zahnräder seines Verstandes geradezu knacken hören. Einige Momente ließ er diese Aussage im Raum stehen, ehe er verzückt antwortete. "Nun, Fiola, meine liebe, da sich unsere Interessen überkreuzen und ich eine Junge Dame wie euch nur ungern alleine Reisen lasse ist mein bereits gefasster Entschluss, euch durch die offensichtlichen Gefahren hindurch zu begleiten, umso fester geworden. Wie ich schon sagte, es war ein großes Glück, dass wir einander über den Weg liefen. Vielleicht sogar mehr ... als nur Glück."


Fiola

Fast schon ein wenig ängstlich ob seiner Reaktion hatte Fiola zu Nicolei geblickt. Sie redete einfach zu gerne… Sogar ihr Vater hatte sie deswegen schon des Öfteren gerügt. Aber Nicolei schien es nicht schlimm zu finden, dass sie einfach erzählt hatte. Er lächelte jetzt sogar. Ja, sie konnte das Lächeln sehen. Und endlich auch einen Teil seines Gesichtes. Sie hatte sich schon gefragt, wie er wohl aussehen mochte. Dieser seltsame, freundliche Mann, dem sie zufällig über den Weg gelaufen war. Und nun bot sich ihr ein Anblick, der sie offensichtlich faszinierte. Es waren keine normalen Merkmale, das erkannte die junge Hexe sofort. Ein Geheimnis umwob diesen jungen Adeligen… ebenso wie es Sharika und auch Fiola umwob. Sie waren von einem Nebel voller Geheimnisse umhüllt und hatten trotz allem erst einmal beschlossen zusammen zu reisen. Ob sich diese Gemeinschaft als vorteilhaft oder aber als einen großen Fehler herausstellen würde, würde erst die Zukunft zeigen. Vielleicht wurden sie ja schon an der nächsten Abzweigung auseinander gerissen… Aber das wussten die Götter allein…

Als Nicolei endlich sprach, schrak Fiola zusammen, da sie doch etwas in den Gedanken versunken war. „Verzeiht…“, murmelte sie leise, ehe sie seinen Worten wieder mit vollster Aufmerksamkeit folgte. Seine Worte zauberten ein schwaches Lächeln auf ihr Gesicht. „Wie mir scheint, gehört ihr zu der Sorte Menschen, die alles wissen, alles ergründen wollen. Eine gute, aber auch eine gefährliche Eigenschaft. Zu viel Wissbegierde kann einen auch in Gefahr bringen, weil sie einen ebenso blind werden lässt, wie Wut, Angst und jegliches andere Begierde.“ Fiola schüttelte leicht den Kopf. „Worte meines Vaters…“ Weise Worte. Worte, die sie selbst oft zu hören gekriegt hatte… Während Nicolei offensichtlich nachdachte, schwieg Fiola und beobachtete die Umgebung. Die Trostlosigkeit des Labyrinthes wirkte nach wie vor beklemmend und erdrückend. Aber da Fiola nun nicht mehr alleine war, machte es ihr weniger aus. Als Nicolei sie schließlich an ihren Überlegungen teilhaben ließ, wandte sie ihr Gesicht wieder ihm zu. Das sanfte Lächeln auf den Lippen. „Habt dank für eure Worte und eure Unterstützung. Ihr werdet auch auf mich zählen können.“ Ihr Lächeln wurde eine Spur verschmitzt. „Ich mag zerbrechlich aussehen, bin aber doch in der Lage mich zu wehren.“ Zur Not auch mit Hilfe des Stabes, an dem ihre Laterne befestigt war. Zur Magie würde sie nur im Notfall greifen und dann hoffen, dass die roten Tätowierungen nicht zu sehr aufleuchteten, dass sie sogar durch das dicke Leder ihrer Handschuhe zu sehen waren. Ein Gebot der Triona-Hexen.

Wieder sah sich in die Dunkelheit hinaus. „Ja… unsere Begegnung ist sehr glücklich gewesen. Vielleicht ist es sogar Schicksal gewesen… aber das wissen, wie so vieles auch, nur die Götter allein.“ Wenn die Götter nicht schon dieses Land verlassen hatten. Wer würde sich schon gerne um ein derart verlorenes Land kümmern? Wieder schwieg Fiola kurz, ehe sie den Kopf etwas hob. Eine Bewegung, die an ein Reh erinnerte, welches ein verräterisches Geräusch vernommen hatte. Ein leichtes Knistern kam von ihrer Lampe. Zu leise, um es explizit zu bemerken, wenn man nicht wusste, auf was man hören musste. Rasch erhob die zierliche Frau sich und blickte angestrengt in die Dunkelheit. War da was? Bewegte sich dort ein Schatten? So plötzlich wie das Knistern gekommen war, verstummte es wieder. Was auch immer dort gewesen ist… es hatte wohl nicht beschlossen, sich der kleinen Gruppe zu nähern.

Mit einem

entschuldigenden Lächeln in Nicoleis Richtung, setzte die zierliche Frau sich wieder hin. „Verzeiht… ich dachte, ich hätte etwas gehört.“


Nicolei Rageija      

Auch Nicolei hatte etwas bemerkt, auch, wenn es nicht sein Gehör war, das ihn warnte, sondern ein Gefühl, eine Ahnung ...

Auf Fiolas reaktion hin hatte er sich ebenfalls umgesehen, doch schien es, was auch immer es war, sich nicht dazu durchringen zu können, der Gruppe näher zu kommen, stattdessen machte es kehrt und verschwand ebenso plötzlich wie es gekommen war.

Stille legte sich über das Lager der drei Gestalten, ehe Nicolei mit ernster Stimme wieder das Wort ergriff. "Nun, es schien ... nichts gewesen zu sein." Sein Tonfall verriet, dass er anderes vermutete, doch wollte er keine unnötigen Unruhen stiften. Sie waren nun völlig allein und ihnen würde nichts geschehen. Zumindest hoffte er das.

Als Nicolei Fiola ansah fiel ihm ihr Unbehagen auf, woraufhin er wieder lächelnd und mit mehr Frohmut in der Stimme sprach. "Seid unbesorgt. Es scheint wirklich nichts weiter gewesen zu sein, und notfalls könnt ihr euch auf mich verlassen, das wisst ihr doch. Doch nun ist es spät. Zumindest einer von uns sollte etwas Schlaf nachholen, meine Teure, meint ihr nicht auch?"


Fiola

Etwas war da gewesen. Aber entweder hatte es die kleine Gruppe nicht bemerkt, oder aber sie als nicht der Mühe wert befunden. Wenigstens war es weg und Fiola war froh darüber. Dass Nicolei es ebenfalls bemerkt zu haben schien, zeigte, dass es nicht verwunderlich war, dass er bisher überlebt hatte. Nur jene, die hier in dieser Dunkelheit wachsam und offen waren und nicht ängstlich alles auszusperren suchten, konnten überleben.

Sie lächelte Nicolei zu, der beruhigende Worte für sie gefunden hatte. Er schien wirklich ein sehr netter Mann zu sein und wieder einmal war Fiola froh, dass sie auf ihn getroffen war. Hoffentlich war Sharika eine ebenso angenehme Begleitung. Und wenn nicht… nun sie war wenigstens eine Begleitung.

„Legt euch ruhig schlafen. Ich bin noch recht wach und werde weiter auf die Umgebung achten. Ich habe kurz vor unserer Zusammenkunft noch geschlafen.“, antwortete sie auf seinen Vorschlag, dass sich einer von ihnen hinlegen sollte. „Ich werde dann kurz bevor ich mich selbst hinlege Sharika wecken.“ Irgendwann würde auch sie schlafen müssen. Aber noch nicht jetzt. Sie war noch zu wach, zu aufgedreht. Sie würde einfach nicht einschlafen können.


Nicolei Rageija            

Nicolei nickte Fiola zu. "Sehr zuvorkommend, danke."

Obwohl man ihn als Adeligen für verwöhnt hätte halten können gab sich der junge Alchemist mit den schlichtesten Gegebenheiten zufrieden, statt seines gewohnt gemütlichen, großen Bettes, in dem man sich wohler fühlte als Gott in Frankreich, schlief er hier auf rauem Boden, hässlichem Kopfsteinpflaster, statt eines Kissens benutzte er seinen Beutel, um den Kopf zu stützen, statt einer Decke hielt nur die kalte Luft zwischen den Labyrinthmauern her. Doch kam kein Wort der Beschwerde über seine Lippen, im Gegenteil, nach wenigen Augenblicken war er sanft entschlafen, mit einem lächeln auf dem Gesicht, welches er wieder tief in seine Kapuze zurückgezogen hatte, so, dass man "es" nicht sah ...

Ein freundliches "Frohes Schaffen und gute Nacht" gab er noch von sich, ehe er endgültig einschlief, scheinbar ohne den geringsten Zweifel an Fiolas Aufrichtigkeit, mit vollstem Vertrauen in ihre Person, ohne zu zögern.

Nicolei schlief.


Fiola

Fiola lächelte Nicolei noch einmal zu, ehe sie ihre Aufmerksamkeit wieder der Umgebung zuwandte. Aber sie lauschte auch auf den Atem ihrer Begleiter. Als sie sicher war, dass auch Nicolei schlief, griff sie nach ihrer Tasche und kramte darin, bis sie einen leeren Wasserschlauch gefunden hatte. Sie waren jetzt zu dritt, man konnte nie wissen, wann man wieder Wasser finden würde und Fiola konnte nie wissen, wann sie unbeobachtet und in Ruhe Magie wirken konnte, um zur Not so Wasser zu bekommen. Sie hielt es für besser, eine Art Vorrat anzulegen.

Aber sie tat es nicht sofort. Ließ den Schlauch auf ihrem Schoß ruhen und beobachtete die Umgebung weiter aufmerksam. Ein Ohr immer auf die schlafenden und ihr kleines Licht gerichtet. Aber die Nacht, oder der Tag… wahrscheinlich war Ruhephase ein besserer Ausdruck… blieb ruhig und ohne Vorkommnisse. Als Fiola schließlich der Meinung war, dass sie würde schlafen können, ergriff sie den Wasserschlauch, schloss die Augen und suchte im Geiste nach dem Muster, welches sie aktivieren musste, um Wasser in dem Schlauch zu sammeln. Während sie im Geiste das Muster nachfuhr, glühten die entsprechenden Linien ihrer Handtätowierungen auf. Gut verborgen von den dicken Handschuhen. Als der Schlauch schließlich gefüllt war, standen die Schweißperlen auf ihrer Stirn und der Atem der zierlichen Frau ging Stoßweise. Es war einfach ein fürchterlich anstrengender Zauber, aber überlebenswichtig. Sie wartete, bis ihr Atem und auch das wild klopfende Herz sich wieder beruhigt hatten, steckte den Wasserschlauch zurück in die Tasche und erhob sich dann, um zu Sharika zu treten. Sachte rüttelte Fiola an der Schulter der jungen Frau „Wacht auf. Es wird Zeit für eure Wache…“, flüsterte Fiola eindringlich, auch darauf bedacht, Nicolei nicht zu wecken.


Sharika           

Mit einem Ruck fuhr Sharika aus dem Schlaf. Aus dem Schlaf gerissen sprang sie auf und zog reflexartig das Schwert, das sie auf die Gestalt vor ihr richtete. Es dauerte einige Sekunden bis sie bemerkte, dass Fiola vor ihr stand. Tief einatmend schob sie ihr Schwert wieder in die Scheid.

„Mach das nie wieder!“ Fuhr Sharika sie an, auch wenn sie wusste, dass sie selbst an der Lage Schuld hatte. Sie hätte niemals zulassen dürfen, dass sie so tief einschlafen würde. Nur die Müdigkeit hatte sie übermannt und sie hatte nicht mehr die Willenskraft besessen ihr zu widerstehen. Müde massierte sie ihren Arm auf dem sie gelegen hatte und gähnte ungeniert.

Dann betrachtete sie Fiola genauer, sie sah sehr müde aus, als wenn sie etwas sehr anstrengendes erledigt hätte. Nach einem kurzen Blick in die Runde fiel ihr jedoch auf, dass sich eigentlich nichts verändert hatte, was die Erschöpfung rechtfertigen könnte. Misstrauisch zog sie die Augenbraun zusammen, zuckte aber mit den Schultern. Es war ihre Sache was sie trieb, solange Fiola sie nicht in Sachen hineinzog die ihr ärger bereiten könnten. Sie hatte schon genug Ärger am Hals, als dass sie noch sie Lasten anderer tragen könnte.

„Na dann leg dich hin, ich pass schon auf, dass euch niemand nachts die Kehle durchschneidet.“ Versicherte Sharika ihr und setzte sich nicht weit vom Lichtkegel entfernt auf eine halb verfallene Kiste und hob den Wasserschlauch auf, aus dem sie sich einen großzügigen Schluck genehmigte.

Sie sah kurz zu der schlafenden Gestalt Nicoleis. Die beiden waren wirklich einfältige Leute, dachte sie sich. Aber sie selbst war ja nicht besser, auch sie ist einfach eingeschlafen. Sie seufzte leise, lehnte sich an die Wand und streckte die Beine aus. Was war nur mit ihr los? Normalerweise hätte Sharika diese Leute ausgeraubt und dann so schnell wie möglich verlassen, aber dieses mal verwarf sie diesen Gedanken grundlos fort.


Fiola   

Fiola zuckte nicht mit einer Wimper, als Sharika ihr plötzlich die Klinge an den Hals hielt, als wäre Fiola ein potentieller Feind. So war das Leben hier in diesem Labyrinth eben. Immer wachsam sein... Sonst war man tod oder schlimmeres. Die harschen Worte kommentierte Fiola nur mit einem Nicken. "Ich werde es versuchen." EIn Lächeln folgte den Worten, ehe sie Sharika kurz durch die dicken Brillengläser musterte. Die junge Frau tat es ihr gleich und für einen Moment konnte Fiola misstrauen in den Augen sehen. Ob Sharika etwas ahnte? Darüber was Fiola war? Nein... das Misstrauen verschwand zu schnell wieder aus den Augen der jungen Frau. Oder es war ihr schlicht und einfach egal. Fiola würde sich über letzteres freuen, auch wenn sie sich da nichts vor machte. Sie hatte bisher nur wenige getroffen, die nichts gegen die Trionagilde hatten.

Die zierliche Frau nickte ob Sharikas Worte und fügte ein lächeln des "Danke." hinzu, ehe auch Fiola es sich bequem machte. Ein kurzer Blick zu Sharika bestätigte Fiola, dass es eine gute Idee war, noch etwas Wasser zu beschaffen. Mit diesem Wissen und inzwischen doch recht erschöpft schlief sie schließlich ein, um für den nächsten wegabschnitt gerüstet zu sein. Dabei vertraute sie Sharika vollkommen. Es war eben einfach Fiolas Art. Kurz zeit, nachdem sie sich auf dem Boden zusammengerollt hatte, schloief die zierliche Frau dann unweit von Nicolei ein. der erste tiefe Schlaf seit beginn des Labyrinthes


Sharika 

Ruhig saß Sharika an der Wand und lauschte ihrem Atem. Es war das einzige Geräusch was in der Stille zu hören war. Sie vermisste das Geräusch des Windes der durch die Bäume pfiff und die Blätter rascheln lies. Die kahlen Wände hatten nicht nur alles Leben voneinander getrennt, sondern sie ins Nichts verschwinden lassen.

Wieder seufzte Sharika und schaute zum Himmel auf. Sie sah grenzenlose Schwärze. Ob wir vollkommen von Wänden eingeschlossen sind? Fragte sich Sharika. Es hätte sie nicht gewundert wenn sie herausfinden würde, dass der Himmel mit samt den Sternen von der Dunkelheit verschlungen wurde. Wie gerne sie nachts dagesessen hatte und den wachsenden Mond betrachtet hatte. In Gedanken versunken starrte sie weiter ins Leere, bis sie ein leises Geräusch hörte. Sofort spitzte sie die Ohren, ohne sich zu Bewegen. Eine rasche Bewegung würde den Eindringling vermutlich verscheuchen, und das wollte sie schließlich nicht, da sie wissen wollte wer sie da beobachtete. Sharika war sich sicher, dass der Beobachter sie nicht richtig erkennen konnte. Er würde vermutlich denken sie wäre am schlafen. Aber wie lange war er schon da gewesen? Hatte er mitbekommen, dass sie Wache halten sollte?

Die Geräusche wurden lauter und Sharika erkannte sie als schlurfende Schritte. Die Person war noch weiter entfernt, aber sie steuerte geradewegs in ihre Richtung. Sharika ärgerte sich über sich selbst nach diesem Gedanken. Was sollte die Gestalt auch anderes tun als geradewegs auf sie zu zulaufen? Es gab schließlich nur den Weg an ihnen vorbei oder den Weg zurück.

Unauffällig legte sie die Hand auf den Griff ihres Schwertes und beobachtete weiterhin die Dunkelheit um sich herum. Da sie Jahrelang im Dunklem gehaust hatte, konnte sie weiter sehen als die meisten anderen und hatte auch ein viel Besseres gehör. Die Gestalt näherte sich weiter vorsichtig. Sharika hörte wie sie bevor sie den Fuß aufsetzte, vorher den Boden prüfte um kein verräterisches Geräusch zu machen. Also war die Gestalt völlig verängstigt oder ein Räuber, schloss Sharika. Ein Fremder der nichts Böses im Schilde führte, würde zwar vorsichtig sein, aber er würde sich zu erkennen geben, damit man ihn nicht gleich als Fein betrachtete und ihn angriff.

Sollte Sharika die beiden anderen wecken? Es wäre wohl besser, beschloss sie. Aber wie sollte sie die beiden erreichen ohne eine verräterische Bewegung zu machen? Dann kam ihr eine Idee. Sie schnallte das Schwert samt Scheide mit der Hand, die in völliger Dunkelheit lag, von ihrem Gürtel ab und lies es langsam an ihrer Seite hinunter gleiten. Mit dieser Armverlängerung konnte sie zumindest Nicolei erreichen. Sharika hoffte, dass er keine Geräusche machen würde wenn er durch die Berührung wach werden würde. So streckte sie also den Arm mit dem Schwert und stieß unauffällig gegen Nicoleis Bein.


Nicolei Rageija    

Unter der Kapuze funkelte Nicoleis Auge auf, welches Sharika scheinbar schon länger in Visier hatte. Mit einem kurzen Nicken deutete der Alchemist der Streunerin an, dass er wach war und sich über der Situation voll im Klaren.

Würde der - oder das? - Fremde tatsächlich zu der Gruppe stoßen, so müsste er zuerst an Nicolei vorbei, womit außer Frage stand, welcher aus der Gruppe als erster die Initiative ergreifen musste, um der Situation Herr zu werden.

Der ungebetene Gast kam schritt für Schritt näher, blieb aber kurz vor dem Ende des geringen Lichtkegels ihres Lagers stehen, als prüfe er noch ein mal, ob keine Gefahr drohte. Egal, zu welchem Schluss er gekommen war, er irrte, denn Nicolei bereitete sich bereits vor ...

Was nun folgte geschah in den Bruchteilen weniger Sekunden. Der Fremde setzte zu einem verhängnisvollen letzten Schritt an, als Nicolei in mit der linken Hand nach dessen Bein griff und es zu sich herunterzog, während er sich in der selben Bewegung aufrichtete und den Gegner mit der rechten Hand vor die Brust stieß. Durch beide Aktionen und durch den Vorteil der Überraschung brachte Nicolei damit den Fremden zu fall, während er selbst auf die Beine kam. Einen Füß auf die Brust, damit dieser sich nicht all zu schnell wieder erhob. Da er allerdings unbewaffnet war hoffe Nicolei darauf, dass Sharika ihm mit ihrer Klinge die nötige Rückendeckung gab, die nötig war, den Feind in Schach zu halten, da sonst alles auf eine Rangelei herauslaufen würde. Hätten sie ihn nicht unvorbereitet auf kaltem Fuß erwischt, hätten sie ihn wahrscheinlich nicht so einfach übermannen können.


Fiola   

Die Geräusche des fallenden Körpers ließen Fiola aus ihrem Schlaf schrecken. Das etwas nicht in Ordnung war, merkte sie an der unnatürlichen Geschäftigkeit um sich herum und daran, dass ihr kleines Licht kaum hörbar vor sich hin klingelte. Magie...

 

Rasch rückte sie die Brille zurecht und versuchte sich zurecht zu finden. Ein Fremder lag auf dem Boden, keuchend und seltsame Laute ausstoßend. Nicolei stand über ihn und hielt den Fremden mit einem Fuß am Boden gedrückt. etwas stimmte nicht mit dem Fremden... Jede Faser in Fiola schrie, dass sie von ihm weg sollte. Da gewahrte sie im immerwährenden Schatten des Labyrinthes, wie die Augen des Fremden in einem unheilvollen violetten Ton glühten. "Weg von ihm Nicolei. Er darf euch nicht an der Haut berühren.", rief sie, stand auf und hechtete auf den Adeligen zu. Ein fauliger Gestank, welcher von dem Fremden ausging, schlug ihr entgegen. Sie konnte sehen, wie er seine Arme nach Nicoleis Bein ausstreckte. Da hatte Fiola den Adeligen erreicht und riss ihn von der am Boden liegenden Gestalt weg. Dabei hatte sie so viel Schwung, dass es sie beinahe zu Boden riss. "Er trägt parasitäre Wesen in sich. Die sich in ihm vermehren. Wenn er euch berührt, werden sie auf euch übergehen...", keuchte sie Nicolei zu und sah zu Sharika. "Passt auf, dass euch seine Haut nicht berührt. Tut er das, seid ihr verloren."


Nicolei Rageija 

Nicolei wandte sich verdutzt zu Fiola um, als diese nach ihm rief, dann blickte er zum Fremden hinunter. "Was zum-?"

Zwei violett glühende Augen stierten ihn hasserfüllt an, die Hand griff nach seinem Beim, irgendetwas bewegte sich, kam aus der Haut ...

Mit einem mal wurde der Alchemist von den Füßen gerissen. Fiola hatte sich ihm entgegengeworfen um ihn von der Kreatur, die ihm nach dem Leben trachtete, zu entfernen. Durch den großen Schwung stolperten beide noch einige Schritte, ehe Nicolei mit beiden Füßen halt suchte und das Mädchen fest in den Armen hielt, damit sie nicht umfiel.

"Passt auf, dass euch seine Haut nicht berührt. Tut er das, seid ihr verloren.", warnte sie daraufhin Sharika, welche auf der anderen Seite der Kreatur stand.

Der junge Adelige sah die kleine Hexe an, die ihm im Augenblick sehr nahe stand. Als ihm das gewahr wurde entfernte er sich einige Zentimeter, ehe er sprach. "Wie ... wie können wir dieses ... Ding loswerden?"

Je länger sie warteten, umso mehr zappelte das fremde Wesen am Boden herum, schlug um sich wie ein verletzter Tiger, traf aber niemanden, da alle genügend Abstand hielten. Dann richtete es sich sehr langsam und unbeholfen auf ...

Es sah aus wie ein Mensch, ein Mann, der Nicolei sogar etwas bekannt vorkam, doch war nichts menschliches mehr in seinen Augen. Statt einer Zunge hing ein zappelnder, spitz zulaufender wurmähnlicher Fremdkörper aus seinem Mund, überall an der Haut waren kleine, schwarze punkte - bei genauerem betrachten Härchen oder kleine Fühler, mit denen sich der Parasit verbreitete.

"Wie werden wir es los?", wiederholte er seine Frage an die kleine Hexe.


Sharika

Angeekelt trat Sharika einige Schritte zurück, bis sie die Wand des Labyrinthes im Rücken hatte. Sie glaubte Fiola sofort, als diese sagte man dürfe diese menschenähnliche Kreatur nicht berühren. Aus den Löchern der Haut, aus denen die Fühler hervor traten rann Blut hervor. Es sah nicht so aus, als würde sich dieses etwas, was immer es auch war, sich noch länger in dem geklauten Körper aufhalten könnte.

Sharika wog ihre Möglichkeiten ab. Weglaufen käme nicht in Frage, sie könnten ihre Sachen nicht einfach hier liegen lassen, auch wäre Sharika zu stolz dazu.

„Wenn der Wirt stirbt, was passiert dann mit dem Parasiten?“ Fragte sie und blickte kurz Fiola an, bevor ihre Augen sich wieder dem schwankenden Wesen widmeten. Ob es etwas nützen würde, wenn sie ihn einfach mit dem Schwert durchbohren würde? Aber dadurch würde sich auch Gefahr laufen es zu berühren und dann würde sie wahrscheinlich so enden wie der Kerl vor ihr. Sie konnte sich wahrhaft schönere Aussichten vorstellen.

Mit gesenktem Kopf trat das Wesen einen Schritt auf Fiola und Nicolei zu. Wenn nicht bald etwas geschehen würde, könnten sie dem Kerl gleich zum Abschied die Hand schütteln.

Bevor Fiola also auf ihre Frage antworten konnte sprang sie nach vorne, hob das Schwert und stach zu. Das glänzende Stahl fuhr durch das Fleisch des Körpers ohne auf merklichen Widerstand zu stoßen und drang vorne wieder heraus, Sharika hatte zwischen die Rippen gezielt, dennoch hätte sie etwas spüren müssen. Schaudernd starrte sie den wankenden Rücken des Mannes an.


Fiola

Nicolei trat etwas von Fiola zurück, was die Frau gar nicht richtig mitbekam. All ihre Aufmerksamkeit galt dem Wesen vor sich. "Wie... wie können wir dieses... Ding loswerden?", fragte Nicolei. Die junge Hexe biss sich auf die Lippen. "Den Wirt zu töten ist der erste Schritt. Das nimmt ihnen eine Kraftquelle, tötet sie aber nicht. Um sie zu töten wird Licht benötigt, oder Feuer... Aber man muss sehr vorsichtig vorgehen. Eines dieser Wesen reicht, um die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren.", antwortete sie und überlegte fieberhaft, wie man den Wirt am ehesten töten konnte, ohne in Gefahr zu geraten... Die Entscheidung wurde ihr von Sharika abgenommen, welche gerade ohne Rücksicht auf Verluste auf die langsam auf Nicolei und Fiola zuwankende Gestalt zustürmte und ihr das Schwert in den Rücken rammte. Sofort quollen aus der Wunde kleine wurmartige Wesen, welche gierig die Fühler nach Sharika ausstreckten. Rasch konzentrierte Fiola sich auf ein bestimmtes Muster und ein blau glühender Schild erschien zwischen Sharika und der wabernden Masse. "Hat irgendwer von euch eine Möglichkeit auf einen Schlag viel Licht oder ein großes Feuer herbei zu rufen?", fragte die junge Hexe gepresst, während sie sich darauf konzentrierte den Zauber aufrecht zu erhalten. Die Tätowierungen leuchteten unter den Handschuhen hell auf, waren aber noch nicht zu erkennen. Fiola hätte zwar auch die Möglichkeit dazu, aber es war war nicht ihre Stärke... Sie müsste so viel Kraft in den Zauber legen, dass sie gezwungen wäre, die Handschuhe auszuziehen, damit diese nicht in Flammen aufgingen. Und das würde sie wahrscheinlich vom Regen in die Traufe führen...


Nicolei Rageija

Nicolei brauchte einige Augenblicke, um sich der Situation gewahr zu werden, doch dann schaltete er recht schnell. "Ich kann das. Aber seht weg! BEIDE! Das Feuer könnte euch blenden."

Er wartete noch einen Augenblick, in der Hoffnung, sie würden tun, was er sagt. Ein gleißende Flamme wäre wirklich hell genug gewesen, jemandes Auge zu beschädigen, doch um solche Hitze heraufzubeschwören, dazu reichte Nicolei's Kraft bei weitem nicht aus. Es war eine Lüge, ein Trick, damit die beiden nicht sahen, was sich nun zeigte.

Der Alchemist hob beide Hände vor die Brust, wobei der linke Arm etwas länger zu sein schien als der rechte. Doch nicht nur das. Er entfernte den Handschuh von der eigenwillig geformten Hand und entblößte eine fünffingrige, schwarze Klaue, die in einen ebenso dunklen Arm hinüberging.

Feuer? Kein Problem. Mit einem gezielten griff hatte er ein Messer in der rechten, noch menschlichen Hand, ein gezierter, kleiner Dolch, der jedoch keine Waffe war. Während das Fremde Wesen durch Fiolas Schild davon abgehalten wurde, Sharika zu seinem Opfer zu machen, schnitt Nicolei sich mit dem Dolch eine Rune in die schwarze Handfläche. Blut quoll hervor, versiegte jedoch rasch wieder. Übrig blieb die Form der Rune, die erst begann zu leuchten, dann zu brennen und letztlich stand die ganze dämonische Pranke in Flammen. "Arkanes Feuer 22, Blutopfer", titulierte er sein vollbrachtes Werk, ehe er, ohne auch nur eine weitere Sekunde zu verschwenden, auf den Feind zupreschte und ihm die brennende Klaue direkt in den offenen Mund schlug. Die Fühler und Ausläufer schlängelten sich um den Arm des jungen Adeligen und bohrten sich sogar hinein, doch zogen sie sich bald wieder zurück, da das arkane Feuer, schneller als es eine normale Flamme vermocht hätte, den gesamten Körper befallen hatte und den Parasiten mit samt seinem Wirt verbrannte.

Nicolei zog seinen Arm zurück und entfernte sich von der verbrennenden Kreatur, während er mit dem Dolch teile seiner Kleidung, auch seinen rechten Ärmel, abschnitt, um seinen dämonischen Arm damit verdecken zu können - das Feuer hatte seine Kleidung stark angesengt. Hie und da provisorisch verbunden und verdeckt, das müsste reichen.

All dies dauerte nur wenige Augenblicke und so hoffte er, die beiden Mädchen hätten tatsächlich weggesehen. Sonst hatte er einiges zu erklären.

Noch während das Ungetüm seine letzten Sterbelaute von sich gab sah er Fiola zu seiner Rechten mit großen Augen an. Seine Kapuze hatte er nicht abgenommen, so unvorsichtig war er nun doch nicht gewesen.


Sharika 

Dankbar über Fiola´s Hilfe, packte sie den Griff ihres Schwertes und zog fest daran. Es rührte sich nicht. Die Klinge die so leicht durch das Fleisch geschnitten hatte lies sich nicht heraus ziehen. Begierig kringelten sich die Würmer um die Klinge um an dessen Führer zu gelangen, sie wurden jedoch von dem von Fiola erschaffenen Schild davon abgehalten.

Mit aller Kraft stemmte Sharika die Fersen in den Boden und zog, es kam nicht in Frage das für sie wertvolle Schwert bei dem unbekannten Wesen zu lassen. Langsam glitt es aus dem befallenen Körper hinaus und der Schweiß rann Sharika über sie Stirn. Keuchend und mit einem letzten Ruck zog sie es vollends hinaus, gerade noch rechtzeitig um sich schnell die Augen zu zuhalten, als Nicolei ihnen diese Warnung zurief. Kurz darauf hört sie ein qualvollen Aufheulen und ein Zischen. In der Hoffnung jetzt wieder gefahrlos die Augen aufmachen zu können erhob sie sich und blickte zur sich nun vor schmerzen krümmenden Gestalt hinunter. Sie wälzte sich qualvoll auf den Boden hin und her, der Körper in Flammen stehend. Die Würmer lösten sich auf und zurück blieb en lebloser, rauchender Körper.

Schnell wich Sharika ein paar Schritte zurück, der Gestank der von dem Mann ausging war schrecklich und wahrscheinlich auch nicht ganz ungefährlich. Sie war schon bei vielen Menschenverbrennungen dabei gewesen, so was galt als Vergnügen in der Stadt aus der sie kam, aber noch nie hatte sie solch ein Gestank bemerkt. Wahrlich, ein verbrannter Körper roch nie gut, aber das war etwas ganz anderes.

Mit einem großen Abstand ging sie um der qualmenden, sich nun nicht mehr rührenden Gestalt herum.

„Danke!“ Sagte sie und nickte ihren beiden Begleitern zu. Nicolei hatte noch immer seine Kapuze auf, so konnte sie sein Gesicht nicht erkennen. „Ohne euch wäre es um mich geschehen gewesen. Aber ich würde vorschlagen dass wir schleunigst von hier verschwinden.“ Sie warf noch einen misstrauischen Blick zu dem Mann auf dem Boden. Dann wollte sie ihr Schwert wieder in die Scheide stecken, verharrte jedoch mitten in der Bewegung. Die Würmer die sich um den kalten Stahl gewickelt hatten sind zu einer schwarzen Flüssigkeit zerflossen, die nun an ihrem Schwert klebte. Angewidert hob Sharika einen Fetzen Stoff auf der vor ihr auf dem Boden lag und wischte die Klinge sauber, darauf bedacht die schwarze Flüssigkeit nicht zu berühren.


Fiola

Fiola war erleichtert, dass Nicolei anscheinend in der Lage war, ein Feuer rauf zu beschwören. So schloss sie auf seinen Geheiß hin blitzschnell die Augen, erhielt aber die Konzentration und somit den SChild aufrecht. Erst, als die Hitze der Flamme und die elenden Schreie der Kreatur zur ihr rüber hallten, löste sie den Zauber und hielt sich beide Hände vors Gesicht. Der Geruch von verbranntem Fleisch und etwas anderem wog zu ihr herüber und verursachte bei Fiola einen Brechreiz, den sie nur mühevoll unterdrücken konnte. Kurz flammten Erinnerungen auf... Ausgelöst von dem Geruch von verbranntem Fleisch. Erinnerungen, die sie eigentlich hatte vergessen wollen...

Um ihnen zu entfliehen öffnete Fiola langsam und zögerlich die Augen. Das Feuer schien verloschen... gut... Immer noch etwas zögernd nahm sie die Arme runter und blickte erst zu Sharika, dann zu Nicolei. Der Dank der jungen Kriegerin entlockte Fiola ein herzliches Lächeln. "Und ohne euch wären wir wahrscheinlich schlechter dran gewesen. Also gebührt der Dank auch euch.", meinte sie sanft, ehe sie sich Nicolei zuwandte, der sie offenbar ansah. Fiola konnte unter der Kaputze das Gesicht zwar nicht erkennen, aber er hatte es ihr offenkundig zugewandt. Auch ihn lächelte sie kurz an "Ist irgendwer von euch verletzt?" Ihr Blick glitt kurz über die Stoffstücke, die Nicolei sich um den einen Arm gewickelt hatte, dann blickte sie zu Sharika, welche gerade vorsichtig ihr Schwert säuberte.

"Aber aufzubrechen ist keine schlechte Idee. Mich hält nichts mehr hier." Vorsichtig ging sie an der Leiche vorbei um zu ihren Sachen zu gelangen.


Nicolei Rageija

Nicolei grinste. "Wir haben alle unseren Teil dazu beigetragen, würde ich sagen. Scheinbar sind wir ein gutes Team."

Sein lächeln galt beiden Damen, aber insbesondere der kleinen Hexe zu seiner Rechten. Im Eifer des Gefechts scheinen Sharika einige Details entgangen zu sein, doch unser Adeliger hatte Fiola genau beobachtet ...

"Nein, verletzt bin ich nicht." Kurz schaute er auf den verbundenen Arm, ehe er ihn, wie gewohnt, verbarg, so gut er konnte. "Wirklich. Alles in bester Ordnung. Nur ein wenig verbrannt, aber das heilt von alleine, nichts ernstes."

Genaugenommen hatte der Alchemist Nicolei nicht ein mal einen Kratzer davongetragen. Was auch immer versuchte hatte, von seinem Körper Besitz zu ergreifen, scheiterte, denn wie es schien war seine Dämonische Hälfte dagegen immun. Hätte es ihn am rechten Arm erwischt wäre die ganze Sache anders ausgegangen. Scheinbar hatte es doch seine Vorteile ...

"Nun, ich schließe mich dem an ... gehen wir, suchen wir uns etwas, das sicherer ist. Die meisten Häuser hat es mit dem auftauchen der Mauern zerrissen, aber es gibt sicherlich noch Gebäude, die Schutz bieten, vielleicht finden wir noch andere Menschen."

Sein Blick glitt herunter zu dem verbrannten Körper seines Feindes. "Richtige ... Menschen"


Sharika

„Menschen…“ Murmelte Sharika mehr zu sich selbst. Ihr behagte es nicht unter Menschen zu sein, jedoch bot sich ihr so die einzige Möglichkeit ihrem Ziel näher zu kommen. Sie wusste noch nicht wie sie es anstellen sollte zwei Menschen zu finden, die sie noch nie gesehen hatte und auch sonst nichts über diese wusste. Ihr einziger Anhaltspunkt war das Schwert das sie bei sich trug. Aber es war recht schlicht, daher würde es bestimmt niemand wieder erkennen.

Leise seufzend wartete sie bis Fiola ihre Habseeligkeiten verstaut hatte. Sie selbst hatte nichts außer dem was sie am Leibe trug.

Sie warf noch mal einen letzten Blick auf die leblose Gestalt am Boden und ging voraus. Sie brauchte das Licht nicht um den Weg zu finden, sie zog es vor in den Schatten zu gehen, ohne vom Licht geblendet zu werden. Sie gingen an verlassenen und zertrümmerten Häuser vorbei, es bot einen Anblick des Schreckens. Als Sharika das erste Mal diese Zerstörung erblickte war sie entsetzt gewesen. Sie hatte diese verdreckte Stadt mit dem neidischen und gierigen Menschen in der sie gehaust hatte noch nie gemocht, jedoch war es immer eine art Zuhause gewesen, wenn auch kein sehr schönes.

Jetzt bedachte sie der Umgebung nur einen flüchtigen Blick, man hatte sie daran gewöhnt. Der Mensch hatte das eigenartige Talent sich an die Lebenssituation anzupassen, wie schlimm sie auch sein mag. Natürlich waren viele gestorben als die Mauern sie verschlungen hatten, aber die die überlebt hatten, haben einen Weg gefunden zu überleben, und nur das zählt.

Nach einer Weile drehte Sharika sich halb um. „Da hinten steht ein Haus das noch recht gut erhalten ist.“ Teilte sie den beiden mit und deutete in die Dunkelheit. Es war ein kleines Haus das wohl nicht mehr als drei Zimmer hatte und sein Dach hing schon ein wenig durch, würde jedoch halten. „Ich übernehme die Wache.“ Bot sie sich an und ging weiter. Sie hatte von allen an längsten geschlafen und sie fühlte sich auch ausgeruht wie schon lange nicht mehr.


Fiola

Die zierliche Hexe war nicht wirklich erfreut, weil Nicolei offensichtlich nicht wollte, dass sie sich seinen Arm ansah... Aber er würde wahrscheinlich seine Gründe haben... Und in gewisser Weise war Fiola sogar dankbar dafür. Eine Heilung war einfach nicht angenehm, selbst wenn es zu ihren starken Zaubern gehörte.

Mit wenigen Handgriffen hatte sie ihre Habseeligkeiten wieder zusammengepackt und schulterte die riesige Tasche mit einem geübten Schwung, ehe sie nach dem Stab griff, andem ihr Licht hing. "Menschen zu finden ist wahrlich nicht verkehrt. Allerdings sollte man mit größter Vorsicht vorgehen... Selbst wenn es immer noch Menschen sind. Leider hat das Labyrinth viele negative Eigenschaften gestärkt...", meinte sie mit einem recht traurigem Lächeln, ehe sie Sharika, welche die Führung übernahm folgte. Anders als Nicolei und Fiola schien sie sich auch ohne Licht gut zurecht zu finden. Wahrscheinlich lag es daran, dass die junge Frau kaum was anderes gewohnt war.

Durch die dicken Gläser ihrer Brille beobachtete Fiola die Umgebung, die sich ihr bot. In aller Trostlosigkeit und Einsamkeit... Ein bedrückender Anblick. Fiola vermisste die Pflanzen udn Tiere. Die Sonne auf ihrer Haut. Auch ihre Familie vermisste sie schrecklich. Die Sehnsucht nach ihr, brannte tief in der schmalen Brust.

Der Weg verlief relativ beschwerdefrei. Kein Hindernis stellte sich ihnen in den Weg und dafür war Fiola dankbar. Sie kämpfte nicht gerne...

Als sie schließlich das Haus erreichten, zögerte die junge Hexe wegen Sharikas Worte etwas "ich hätte auch nichts dagegen, wenn wir noch etwas weiter gehen würden... aber wahrscheinlich..." Plötzlich stockte sie und riss die Augen auf. Ein dumpfes Gefühl, eine schreckliche Ahnung hatte sie erfasst. Ohne weiter nachzudenken lief sie zu dem Haus und riss die Türe auf. Ein trostloser Gang offenbarte sich ihr... Trostlos und mit Blutspritzern übersehen, die in einen Raum führten, dessen Tür nur noch schief in den Angeln hing. Kaum hatte sie diese Tür passiert, entrang ein gequälter Aufschrei ihrer Kehle und der Stab mit dem schwachen Licht entglitt ihren Händen. Der Anblick der sich ihr bot war erschreckend. Drei Leichen hingen baumelnd an dem Deckengebälk. Einer der Leichen waren beide Hände abgeschlagen und mit einem Seil wieder an dem Brustkorb befestigt worden. Deutlich sichtbare waren die schwarzen, ineinander verschlungenen Tätowierungen an den Händen. Ansonsten waren die Leichen in einem schrecklichen Zustand. Sie waren offensichtlich gefoltert worden. An der hinteren Wand stand in Blut geschrieben "Dies geschieht mit allen, welche das Labyrinth über uns gebracht haben." Mit Tränen in den Augen, teils aus der Wut, teils aus tiefster Trauer geboren, stapfte Fiola zu der Wand und schlug beide Hände dagegen. Sie hatte die Muster kaum aktiviert, als die Wand selbst sich gegen die Schrift zu wehren schien. Sie zischte, schien zu schmelzen und sich neu zu formieren. "Lüge... diese elende... Lüge..." schluchzend lehnte Fiola den Kopf gegen die Wand, an der nun keine Schrift mehr prangte. Der ganze Körper zitterte vor Wut und Trauer. Sie hatte endlich jemanden ihrer Gilde gefunden... aber in einem Zustand, indem sie nie wieder einen der ihrigen sehen wollte...


Nicolei Rageija

Sanft legte sich Nicoleis Menschliche Hand auf ihre Schulter. Er war Fiola sofort nachgerannt, nicht nur der Neugierde wegen, sondern auch aus Sorge - Hauptsächlich aus Sorge - ihr könne etwas geschehen.

Der Anblick der Toten entsetzte Nicolei, es war ein Grauen, dass er in diesem Ausmaße kaum zu fassen vermochte, doch riss ihn die völlig am Boden zerstörte Fiola selbst aus diesen schrecklichen Gedanken, und nun wollte er Trost spenden, sofern es ihm möglich war.

In der Dunkelheit des Raumes würde es kaum einen Unterschied machen - zumal Fiola ihr Licht hatte fallen lassen - somit zog er mit der Dämonenpranke die Kapuze vom Kopf, da ihm dies persönlicher schien, als ständig nur mit einem halben Gesicht reden zu müssen. Er beugte sich zu der ihm den Rücken zukehrenden Hexe hinunter, legte einen Arm um ihre Schulter und zog sie etwas an sich heran. "Sind sie ...", er konnte die Frage nicht stellen, musste es auch nicht, denn er kannte die Antwort. Dies waren scheinbar ihre "Familienmitglieder", die sie am Lagerfeuer genannt hatte, auf deren Suche sie war.

"Lass uns von hier fortgehen, dieser Ort ist nicht gut", flüsterte er mit sanftem Ton und zog dabei ganz sache an der kleinen Hexe.


Fiola 

Als etwas sie berührte, fuhr die junge Hexe herum, bereit sich vielleicht gegen einen möglichen Angreifer zu wehren. Doch es war nur Nicolei und er schien nicht das Bedürfnis zu verspüren, ihr etwas anzutun… Nein… Er wollte sie vielmehr trösten. Etwas, das Fiola dankend annahm. Ohne groß nachzudenken, lehnte sie sich an ihn. Ließ die Tränen einfach laufen. Lies zu, dass sie für einen Moment in dem Scherz zu ertrinken drohte. „Sie haben doch nichts getan… Warum? Warum?“, hauchte sie und weinte weiter, lies erst zu, dass der Adelige sie etwas in Richtung Türe mit sich zog. Schließlich aber, kurz bevor sie den Türrahmen erreichen konnten, hielt Fiola an und löste sachte Nicoleis Arm von sich. „Danke… habt dank… und… Verzeiht… aber ich… ich kann sie nicht hier so hängen lassen… Würdet ihr…?“ mit roten, verquollenen Augen sah die kleine Hexe zu ihm hoch und schluckte. Wie viel hatte sie durch ihr Verhalten schon verraten? Wie groß war die Gefahr, dass sie dieses Schicksal bald selbst erleiden musste? Wahrscheinlich wäre es besser, die Beiden zu verlassen. Ihre Gedächtnisse zu löschen und wieder alleine durch das Labyrinth zu ziehen…

Kurz wanderte Fiolas Blick zu Sharika, die im Türrahmen stand. Mit nicht zu deutender Miene… Fast schon wie eine Statue, die man dort aufgestellt hatte. „Bitte… könntet ihr mich für einen Moment hier alleine lassen? Ich…“ Fiola schaute zu Boden „Ich kann sie hier nicht so hängen lassen…“ Zumal sie die Leiche identifizieren musste, um dem Rest der Gilde sagen zu können, wer auf eine derart grausame Art und weise aus dem Leben gerissen worden war…


Nicolei Rageija            

Nicolei ging mit Fiola nach draußen, schritt für schritt näherten sie sich der Tür, doch ehe sie wieder zu Sharika ins Freie traten – sofern man dies „frei“ nennen konnte – fuhr die freie Hand, die nicht auf Fiolas Schulter lag, zur der Kapuze und zog sie wieder über den Kopf. Er wollte nicht „gesehen“ werden, so wie er wirklich war. Nicht, solange es sich vermeiden ließ.

Als sie draußen angekommen waren löste sich das zierliche Mädchen wieder von ihm, und der Adelige fürchtete, ihr im Eifer seines Mitgefühls zu nahe getreten zu sein und entfernte sich sogleich einen Schritt von ihr, ehe sie sprach. Jedes ihrer Worte ließ sein Herz schmerzhaft laut schlagen, denn so viel Leid wie er in ihren Augen sah, als sie zu ihm heraufblickte, konnte er kaum ertragen. Deswegen war er gegangen ...

„I-ich kann dir helfen, ich meine ... das ist sicherlich nicht leicht ... und-“, er stolperte über seine eigenen Worte, wollte doch nur helfen, doch wusste er, dass sie alleine dort hineingehen wollte, und dieser Gedanke zeriss ihm das Herz. Dieses vermaledeite Labyrinth, diese elenden Mauern brachten nur verderben, den Tod, und ließen ein Gefühl in ihm aufkeimen, dem die Wut, die er den Adeligen gegenüber empfunden hatte, nicht ein mal im entferntesten gleichkam. Hass.

Mit gesenktem Haupt wartete er bei Sharika im Türrahmen ...


Sharika

Starr stand Sharika in der Tür und sah die hängenden Gestalten an. Sie hatte in ihrem Leben schon viele Leichen gesehen, auch entstellte, aber ein solcher Anblick bot sich ihr das zweite Mal in ihrem Leben. Sie konnte sich nicht mehr an die Einzelheiten erinnern, sie war noch sehr jung gewesen als sie den Männern in der Nacht gefolgt war, die mit Waffen und Fackeln bewaffnet zu dem Haus in der nähe der Stadt liefen. Sie wusste noch, dass einige Gerüchte über die Frau und ihr Kind im Umlauf waren, schlimme Gerüchte. Sharika wusste nicht ob diese Gerüchte wahr waren, jedoch schienen sie den Männern gereicht zu haben um die Frau und das kleine Mädchen grausam zu Foltern und die Hände der Frau abzuhacken. Noch immer klangen die schrecklichen Schrei und das Flehen der Mutter in Sharikas Ohren.

Gedankenverloren wandte sich Sharika um und starrte in die Dunkelheit. Dies waren also Hexen gewesen. In welcher Verbindung stand Fiola zu ihnen? War sie vielleicht auch eine? Fragte sie sich. Wahrscheinlich war sie eine, schloss sie aus ihrer Reaktion, warum sollte sie sonst so am Boden zerstört sein? Schließlich hatte Fiola sie auch mit Zauberei vorhin gerettet.

Sharika rümpfte die Nase. Sie mochte keine Zauberei, wohl weil sie es nicht verstand und sich auch nicht gegen solche Gegner währen konnte, die der Zauberei mächtig waren. Sie fürchtete sie, auch wenn sie es niemals zugeben würde. Mit einem Blick zurück entfernte sie sich ein paar Schritte von dem Haus. Sie wollte sich nicht in Fiolas Angelegenheiten mischen, sie würde auch alleine klar kommen. Währenddessen wollte Sharika sich ein wenig umsehen und nach möglichen Feinden Ausschau halten.


Fiola

Vor Überraschung ob Nicoleis Angebot weiteten sich Fiolas Augen ein wenig, ehe sie sachte den Kopf schüttelte. „Danke… aber…“ Wahrscheinlich war es eh schon zu spät. Ihr Gefühlsausbruch war einfach zu deutlich gewesen… Man müsste schon selten dämlich sein, um hier nicht eins und eins zusammen zählen zu können… Fiola schluckte leicht. „aber es ist meine… meine Pflicht. Nicht eure… Und ich wäre dabei gerne alleine…“

Mit diesen Worten drehte Fiola sich um und verschwand wieder im Haus, froh darüber, dass weder Nicolei noch Sharika ihr folgten. Wieder bei den Leichen, blieb sie einen Moment stehen. Versuchte zu begreifen, wie Menschen etwas derartig grausames tun konnten. Versuchte zu verstehen… Ließ sich schließlich noch einmal von der Trauer übermannen und weinte leise ein gebet murmelnd einige Tränen, ehe sie sich langsam der Leiche mit den abgehackten Händen näherte, die Handschuhe dabei entfernend. Offenbarte so die Tätowierung, weswegen diese Menschen hingerichtet worden waren. Langsam hob sie die Hände, berührte mit beiden eine Stelle auf den abgehackten Händen und fuhr dort eine bestimmte Linie nach. Bilder erschienen in ihrem Kopf. Bilder von der Leiche, wie sie noch lebte, Bilder von ihrer Familie und der Namen. Jonathan… Jonathan Silberwind war von ihnen gegangen. „Es tut mir leid…“, murmelte Fiola, während ihre Hände zielstrebig die nächsten Linien nachfuhren. Jede Tätowierung bestand aus einem Grundmuster, welches bei allen Trionahexen gleich war. Ansonsten war jedes Muster verschieden. Laien wäre nicht in der Lage, das Grundmuster zu finden. Zu sehr war es in den individuellen Verwindungen verborgen. Für Fiola aber war es deutlich sichtbar. So fanden ihre Finger zielstrebig die Todeslinie. Wenn diese von einer anderen Hexe nachgefahren wurden, ging der tote Körper der anderen Hexe in Flammen auf. Verbrannte zu weniger als Asche und konnte so wieder zu den Göttern zurück kehren. Sachte glühten einige Linien auf Fiolas Händen und ein letztes Mal erglühten die abgeschlagenen Hände. Erzeugten ein Feuer, welches den Körper der anderen Hexe, sowie die der anderen Getöteten verzehrte, bis nichts mehr von ihnen übrig blieb. Die ganze Zeit über stand Fiola stumm neben dem Feuer. Starrte geistesabwesend in die Flammen, die sich auf den Brillengläsern widerspiegelten. Schließlich verneigte sie sich einmal, drehte sich um und machte sich dran, das Haus wieder zu verlassen. Dabei zog sie die Handschuhe wieder über. Wie sollte sie vorgehen? Sie wusste die Antwort, aber sie gefiel ihr nicht…

„Weine nicht, kleines Mädchen. Du wirst bald bei den anderen Tröpfen sein… Grähmt euch nicht, seltsamer Mann und stummes Mädchen. Auch ihr werdet den Toten bald folgen. Folgen oh ja… tralala folgen.“ Seltsam verzehrte Klänge eines Liedes drangen plötzlich zu Fiola durch. Gesungen von einer Stimme, dem Klang von Fingernägeln auf einer Schieferfläche gleich. Und mit dem Lied materealisierte sich langsam ein Wesen, dessen Form an einen riesigen Käfer erinnerte. „Und nun lasst euch zerfleischen, zerfetzen… auseinander nehmen.. oh ja… in Stücke fetzen, tralala.“

 

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